Rose Hall Greathouse * St. James


Lesezeit: 4 Minuten

Auf einem Hügel in St. James, etwa 20 min Autofahrt von Montego Bay entfernt erhebt sich majestätisch das im 18. Jahrhundert erbaute Rose Hall Greathouse, in dem „Die weisse Hexe von Rose Hall“ ihr grausames Unwesen getrieben und vier Ehemänner sowie diverse schwarze Liebhaber auf dem Gewissen haben soll.
In den Siebzigern des letzten Jahrhunderts wurde die Ruine des im Laufe der Zeiten verfallenen Greathouses wiederaufgebaut und als Touristenattraktion vermarktet. Doch bevor wir dieses Relikt der Kolonialvergangenheit besichtigen, springen wir ein wenig in die Geschichte Jamaikas und von Rose Hall zurück.

Als die Briten den Spaniern das fruchtbare Eiland in der karibischen Sonne endlich abgekämpft hatten, hatten sie auch nichts Besseres im Sinne, als die Ausbeutung des Landes mit der Anpflanzung von Zuckerohr und sowie anderer Exportgüter und die Ausbeutung der Menschen mittels Sklavenarbeit voranzutreiben. Kein Wunder, dass die so Geschundenen versuchten zu rebellieren. In diesen aufreibenden Zeiten waren die Herrenhäuser der Zuckerbarone – die Greathouses – wahre Festungen. Aber von ca 700 dieser Residenzen, die einst über ganz Jamaika verteilt waren, überstanden nur 15 -teils als Ruinen- diverse Sklavenaufstände und den Lauf der Zeiten.
DIE WAHRE GESCHICHTE VON ROSE HALL

Eines der Bemerkenswertesten ist das Rose Hall Greathouse, welches 1750 von George Ash für seine Rosa – eine als Kelly geborene Irin – erbaut wurde. Deren erster Ehemann  Henry Fanning hatte das Land 1747 gekauft, verstarb aber leider schon bald danach. Auch George Ash verstarb nicht lange nach dem Bau Rose Halls 1952. Nach einer unglücklichen Ehe mit dem wesmorland’schen Plantagenbesitzer Norwood Witter, der ihr Vermögen durchbrachte und 1765 nur Schulden hinterliess, heiratete Rosa 1768 ihren Plantagen-Nachbarn John Palmer, dem Palmyra gehörte. Die beiden hatten eine glückliche Ehe, aber Rosa und John hinterliessen keine gemeinsamen Kinder und nach Johns Tod ging Rose Hall in die Hände seiner Söhne aus erster Ehe, die kein Interesse daran hatten.

Great House Jamaika

WER „ANNIE“ PALMER WIRKLICH WAR

So wiederum fiel das Eigentum und Rose Hall Greathouse an John Palmers Neffen John Rose Palmer. Dieser heiratete 1820 eine gewisse Anna (Annie) Mary Paterson, eine auf Jamaika geborene rothaarige Schottin. Wahrscheinlich lebte diese ein recht friedliches Eheleben mit ihrem Mann, der schon sieben Jahre später eines natürlichen Todes starb. Rose Hall Plantation und Palmyra warfen mit den Jahren immer weniger ab und häuften immer mehr Schulden an. 130 Jahre lang lag das Anwesen brach, nachdem die in Wahrheit harmlose Witwe es 20 Jahre nach dem Tod von John Rose Palmer für 200 Britische Pfund verkauft haben soll. Anna Palmer hat auch weder ihren – übrigens einzigen – Ehemann, noch einen ihrer Sklaven ermordet. Sie selbst starb 1846  ebenso eines natürlichen Todes und nicht durch die Hand eines schwarzen Liebhabers, wie behauptet wird.

SEX & CRIME SELLS – GENIALES MARKETING IM ROSE HALL GREATHOUSE

Soweit zu unseren nachträglichen Recherchen. Das alles erfährt man im Rose Hall Greathouse nicht, denn so harmlose Geschichten verkaufen sich schlecht an Touristen, also wurden dem Rose Hall Greathouse im Laufe der Jahrhunderte allerlei Schauergeschichten angedichtet, durch die es ein Magnet für Jamaikas Besucher wurde, ist und wohl ewig bleiben wird. Die Leute glauben ja doch, was sie glauben wollen.

Die „Weisse Hexe von Rose Hall“ trat demnach bereits einige Male in Erscheinung. Mal wurde sie als „weisse Frau“ oder in einem grünen Reitkleid auf einem Pferd wahrgenommen, mal waren es Schritte oder nur ein unheimliches Lachen, was zu hören gewesen sein soll. Ihre Witchcraft baasierte auf Vodoozauber, den sie von ihrem inexistenten haitianischen Kindermädchen erlernt haben soll.

Das alles nur aufgrund der Legenden, die 1929 im Roman „The White Witch of Rose Hall“ von Herbert G. de Lisser manifestiert wurden.
Der in Falmouth gebürtige Autor liess sich dabei wohl von den Frauenschicksalen der Rose Hall Damen inspirieren. So verschmolzen die Biografien zu einer und ergaben garniert mit einer Prise Sex und ganz viel Crime-Sosse einen spannenden Roman.

ORIGINELL , ABER NICHT ORIGINAL

Circa 1970 kaufte dann der amerikanische Industrielle John W. Rollins die Ruine des Rose Hall Greathouse. Er baute das Haus wieder auf und liess dieses und das ebenso erworbene umliegende Land in neuem Glanz erstrahlen. Die Legenden um das Rose Hall Greathouse kamen ihm dabei zupass. Sogar die Einrichtung des Greathouse ist heute ganz nach der im Roman beschriebenen gehalten. Sehenswert sind die zeitgenössischen Möbel und Antiquitäten sicher. Allerdings sind sie nicht original aus dem Rose Hall Great House.

Bemerkenswert und grösstenteils original erhalten sind jedoch die wunderschönen Seidentapeten. Johnny Cash, dem zeitweise das nahe gelegene Cinnamon Hill Greathouse gehörte, hat die Legende der Annie Palmer zu einer Ballade inspiriert, in deren Text er sich am Ende dann auch fragt, wo denn ihre vier Ehemänner abgeblieben seien.

DOCH WENN die Legende von der Weissen Hexe vom Rose Hall Greathouse nur cleveres Marketing ist – wer liegt denn dann in dem Grab, welches dem Besucher als das von Annie Palmer verkauft wird? Nichts Genaues weiss man nicht. Anna Mary Rose Palmer jedenfalls war bei ihrem Tod schon nicht mehr Besitzerin von Rose Hall, sie verkaufte es bereits ca 20 Jahre zuvor. Sie starb verarmt und auf die Gutmütigkeit befreundeter Pflanzergattinen angewiesen auf Bonavista nahe Anchovy. Sie wurde in Montego Bay begraben, wo sie während ihrer letzten Jahre auch auf Bellevue untergekommen war.
FÜHRUNG MIT GRUSELFAKTOR – NACHTS IM ROSE HALL GREATHOUSE 

Rose Hall Greathouse ist demnach mehr eine Story, als gelebte wahrhaftige Geschichte. Sehenswert ist es trotz allem, nicht nur der wunderbaren Aussicht über das Meer wegen. Es ist täglich von 09:00 Uhr bis 17:00 Uhr geöffnet. Eine Nachtführung bei Kerzenschein ist definitiv etwas für Liebhaber gruseliger Stimmung. Sie beginnt 18:30 Uhr bis 21:00 Uhr. Reservationen und Preise unter rosehall.com oder +1 876-953-2323.

Rose Hall Greathouse ist ein netter Ausflug für Kreuzfahrer und andere Jamaika-Reisende von Montego Bay oder Falmouth aus. Man kann es super in eine Tour nach Ocho Rios einbauen, da es quasi „am Weg“ liegt. 

Das imposante Rose Hall Greathouse besuchten wir bei unserer Jamaika-Tour 2017fanden aber 2016 das Greenwood Great House – welches sich nicht viel weiter entfernt befindet – bei Weitem interessanter. Dieses ist grösstenteils noch original bemöbelt und tätsächlich heute noch bewohnt.

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