Rose Hall Great House * St. James


Auf einem Hügel in St. James, etwa 20 min Autofahrt von Montego Bay entfernt erhebt sich majestätisch das im 18. Jahrhundert erbaute Rose Hall Great House, in dem „Die weisse Hexe von Rose Hall“ ihr grausames Unwesen getrieben und vier Ehemänner sowie diverse schwarze Liebhaber auf dem Gewissen haben soll.
In den Siebzigern des letzten Jahrhunderts wurde die Ruine des im Laufe der Zeiten verfallenen Greathouses wiederaufgebaut und als Touristenattraktion vermarktet. Doch bevor wir dieses Relikt der Kolonialvergangenheit besichtigen, springen wir ein wenig in die Geschichte Jamaikas und von Rose Hall zurück.

Eine womöglich wahre Geschichte von Liebe und Leid

Als die Briten den Spaniern das fruchtbare Eiland in der karibischen Sonne endlich abgekämpft hatten, hatten sie auch nichts Besseres im Sinne, als die Ausbeutung des Landes mit der Anpflanzung von Zuckerohr und sowie anderer Exportgüter und die Ausbeutung der Menschen mittels Sklavenarbeit voranzutreiben. Kein Wunder, dass die so Geschundenen versuchten zu rebellieren. In diesen aufreibenden Zeiten waren die Herrenhäuser der Zuckerbarone- die Greathouses- wahre Festungen. Aber von ca 700 dieser Residenzen, die einst über ganz Jamaika verteilt waren, überstanden nur 15 -teils als Ruinen- diverse Sklavenaufstände und den Lauf der Zeiten.

Eines der Bemerkenswertesten ist das Rose Hall Great House, welches 1750 von George Ash für Rosa -eine als Kelly geborene Irin und der Witwe von Henry Fanning-  erbaut wurde. Deren erster Verblichener Henry hatte das Land 1747 gekauft, verstarb aber leider schon bald danach. Nach einer unglücklichen Ehe mit dem wesmorland’schen Plantagenbesitzer Norwood Witter, der ihr Vermögen durchbrachte und nur Schulden hinterliess, heiratete Rosa 1768 ihren Plantagen- Nachbarn John Palmer, dem Palmyra gehörte. Die beiden hatten eine glückliche Ehe, aber Rosa und John hinterliessen keine gemeinsamen Kinder und nach Johns Tod ging Rose Hall in die Hände seiner Söhne aus erster Ehe, die kein Interesse daran hatten.

Great House Jamaika

So wiederum fiel das Eigentum an John Palmers Neffen John Rose Palmer. Dieser heiratete 1818 eine gewisse Anna Mary Paterson, eine auf Jamaika geborene rothaarige Schottin. Wahrscheinlich lebte diese ein recht friedliches Eheleben mit ihrem Mann, der schon neun Jahre später vermutlich eines natürlichen Todes starb. Rose Hall Plantation und Palmyra warfen mit den Jahren immer weniger ab und häuften immer mehr Schulden an. 130 Jahre lang lag das Anwesen brach, nachdem die in Wahrheit harmlose Witwe es 20 Jahre nach dem Tod von John Rose Palmer für 200 Britische Pfund verkauft haben soll. Anna Palmer hat auch anscheinend weder ihren -übrigens einzigen- Ehemann, noch einen ihrer Sklaven ermordet. Sie selbst starb 1846 höchstwahrscheinlich ebenso eines natürlichen Todes und nicht durch die Hand eines schwarzen Liebhabers, wie behauptet wird.

Glauben ist nicht Wissen- Was die Leute so reden!

Soweit zu unseren nachträglichen Recherchen. Das alles erfährt man im Rose Hall Great House nicht, denn so harmlose Geschichten verkaufen sich schlecht an Touristen, also wurden dem Rose Hall Great House im Laufe der Jahrhunderte allerlei Schauergeschichten angedichtet, durch die es ein Magnet für Jamaikas Besucher wurde, ist und wohl ewig bleiben wird. Die Leute glauben ja doch, was sie glauben wollen. So trat die „Weisse Hexe von Rose Hall“, die mittels des von ihrem inexistenten haitianischen Kindermädchen erlerntem Vodoozaubers all ihre vier Ehemänner und etliche Sklavenliebhaber auf dem mörderischen Gewissen haben soll, einigen in Erscheinung. Mal wurde sie als „weisse Frau“ oder in einem grünen Reitkleid auf einem Pferd wahrgenommen, mal waren es Schritte oder nur ein unheimliches Lachen, was zu hören gewesen sein soll. Das alles nur aufgrund der Gerüchte und Legenden, die 1929 im Roman „The White Witch of Rose Hall“ von Herbert G. de Lisser manifestiert wurden.
Ob der in Falmouth gebürtige Autor sich möglicherweise von der Geschichte Rosa Kellys inspirieren liess (diese hatte ja tatsächlich vier Ehemänner) und so zwei völlig verschiedene Frauenschicksale verschmolzen, wissen wohl nur er und die Gerüchteköche der Jahrhunderte.

Annie Palmer White Witch

Fantastischer Meerblick vom Rose Hall Great House

Gegen 1970 kaufte dann der amerikanische Industrielle John W. Rollins die Ruine des Rose Hall Great House. Die Legenden kamen ihm dabei zupass und so liess er danach das Haus und das ebenso erworbene umliegende Land in neuem Glanz erstrahlen. Sogar die Einrichtung des Greathouse ist heute ganz nach der im Roman beschriebenen gehalten. Sehenswert sind die zeitgenössischen Möbel und Antiquitäten sicher, allerdings sind sie nicht original aus dem Rose Hall Great House. Bemerkenswert und grösstenteils original erhalten sind die wunderschönen Seidentapeten. Johnny Cash, dem zeitweise das nahe gelegene Cinnamon Great House gehörte, hat die Legende der Annie Palmer zu einer Ballade inspiriert, in deren Text er sich am Ende dann auch fragt, wo denn ihre vier Ehemänner abgeblieben seien.

Jaaaa mag ja sein, dass die Legende von der Weissen Hexe von Rose Hall Great House nur eine clevere Marketingidee ist, aaaber wer liegt denn dann in dem Grab, welches dem Besucher als das von Annie Palmer verkauft wird? Nichts Genaues weiss man nicht. Vermutlich Rosa, geborene Kelly. Anna Mary Rose Palmer jedenfalls war bei ihrem Tod schon nicht mehr Besitzerin von Rose Hall, sie verkaufte es bereits ca 20 Jahre zuvor und wurde in Montego Bay begraben, wo sie während ihrer letzten Jahre bei Freunden untergekommen war.

Rose Hall Great House ist mehr eine Story, als gelebte wahrhaftige Geschichte, sehenswert ist es trotz allem, nicht nur der wunderbaren Aussicht über das Meer wegen. Es ist täglich von 09:00 Uhr bis 17:00 Uhr geöffnet. Eine Nachtführung bei Kerzenschein ist definitiv etwas für Liebhaber gruseliger Stimmung und beginnt 18:30 Uhr bis 21:00 Uhr. Reservationen und Preise unter rosehall.com oder +1 876-953-2323. Rose Hall Great House ist ein toller Ausflug für Kreuzfahrer und andere Jamaika-Reisende von Montego Bay aus. Man kann es super in eine Tour nach Ocho Rios einbauen, da es quasi „am Weg“ liegt. 

Das imposante Rose Hall Greathouse besuchten wir bei unserer Jamaika-Tour 2017, fanden aber 2016 das Greenwood Great House -welches sich nicht viel weiter entfernt befindet- originaler und interessanter. Dieses ist grösstenteils noch original bemöbelt und tätsächlich heute noch bewohnt..

Mitreisen könnt ihr übrigens auch hier:

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