Peter Tosh – Leben und Sterben eines Reggaerebellen


Einer der charismatischsten und umstrittensten Reggaestars in einer der aufgewühltesten Zeiten Jamaikas – das war Peter Tosh. Kompromisslos, direkt und provokant, protestierte er in seinen Texten gegen die Zustände der jamaikanischen Gesellschaft und prangerte Korruption und Willkür der Regierung an.

Zur Welt kommt Winston Hubert McIntosh am 19. Oktober 1944 als uneheliches und einziges Kind seiner Mutter Alvera Coke und des Predigers James McIntosh in Church Lincoln/Grange Hill, Westmoreland Jamaica. James McIntosh zeugte fleissig weiter Kinder, ohne sich um diese zu kümmern. Winstons Mutter versuchte also allein ihr Bestes, um ihren Kleinen gross zu kriegen. Im Alter von 3 Jahren nimmt sie ihn mit nach Belmont, wo sie auf einem Grundstück – welches ihrem Vater gehörte – versuchte, Landwirtschaft zu betreiben. Doch die Umstände kurz nach dem Zweiten Weltkireg und die Brutalität der Natur in Form von Hurricans liessen nicht zu, dass sie wirklich auf die Beine kam und so vertraute sie ihren damals schon musikalisch talentierten Sohn wenige Jahre später ihrer Tante Loretta Campbell und ihrem Mann an, die ihn in Savanna la Mar aufziehen und seine Musikalität weiter fördern. Als Teenager jedoch wird Peter (wie er seit seiner Kindheit genannt wird) Savanna la Mar zu klein und er beschliesst, nach Kingston zu gehen.

Dort lebt er zunächst bei seiner Tante Mary in Denham Town am Rande Kingstons. Ein paar Monate später kommt er bei einem Bruder seiner Mutter unter, welcher mit seiner Familie in Trench Town lebt. Dort kreuzen sich irgendwann seine Wege mit Neville Livingston aka Bunny Wailer und Bob Marley, die er dazu inspiriert haben soll, Gitarre spielen zu lernen. However – als „The Wailing Wailers“ kommen die drei zu Ruhm und Ehre. Peter trennt sich jedoch 1974 von den anderen Wailers, weil er die Veränderungen nicht gut hiess, die der Weisse Chris Blackwell als neuer Manager mit den Wailers anstrebte. Im selben Jahr verunglückte er mit seiner Partnerin Shirley Livingston (Bunnys Schwester) schwer mit dem Auto. Sie liess dabei ihr Leben und zurück einen am Boden zerstörten Peter und den gemeinsamen Sohn Andrew.

Nichtsdestotrotz wurde Tosh ebenso wie die Wailers erfolgreich mit seiner Musik und seinen Texten, die klar und scharf die Zustände der jamaikanisches Gesellschaft anprangern. Mehrfach wurde er für den Besitz von Cannabis, dessen Legalisierung er als bekennender Rastafari vehement forderte, und für sein aufrührerisches Verhalten festgenommen und sah sich stets auch anderen Repressalien, wie diversen Auftrittsverboten ausgesetzt. Gejuckt hat das Peter Tosh nicht. Wie auch die Wailers tourte er international und nimmt gemeinsame Stücke mit anderen Künstlern, wie z.B. den Rollings Stones auf. Acht Alben nimmt er bis 1987 auf. Sein letztes – „No Nuclear War“ – war gerade herausgekommen, als sich die Nachricht von seinem gewaltsamen Tod verbreitete …

Am 11.September 1987 drangen drei bewaffnete Männer in Peter Toshs Haus in der Plymouth Avenue in Kingston ein und forderten Geld von ihm und seinen Freunden, mit denen er seine Rückkehr aus Amerika zu feiern gedachte. Nachdem sich herausgestellt hatte, dass keine nennenswerten Summen im Hause waren, befahlen die Eindringlinge allen Anwesenden sich auf den Bauch zu legen und raubten sie aus, bevor sie auf alle schossen. Peter Tosh, Jeff Dixon aka Free I und Wilton Brown starben noch in der selben Nacht. Toshs Frau Marlene Brown, Joy Dixon, Michael Robinson und Carlton Davis überlebten schwer verletzt.

Wie beim Tod Bob Marleys wurden später Spekulationen danach laut, wer wirklich hinter dem Mord von Peter Tosh und Jeff Dixon steckte. Die Beiden hatten schliesslich vor, einen Radiosender aufzubauen. Das wiederum hätte geheissen, sie hätten eine eigene Plattform für ihre Musik und ihre Ansichten und so noch mehr Einflussnahme auf die Gedanken und das Handeln ihrer Zuhörer gehabt. Das war möglicherweise ein Dorn im Auge derer, die Jamaika ohnehin schon unsichtbar fest im Würgegriff hatten. Lauter kleine Aufrührer auf der Insel und am Ende eine Revolution? Sowas musste doch im Keim erstickt werden …

Peter Tosh wurde in Belmont an der Südküste Jamaikas, auf dem Anwesen der Familie seiner Mutter beigesetzt.  Hier, beim Peter Tosh Memorial , ist auch heute noch der ungebrochene Spirit des Reggae-Rebellen spürbar.

Seit 2016 können Anhänger des „Steppin‘ Razor“ ihrem Idol im Peter- Tosh-Museum in Kingston huldigen. Auch der Trenchtown Culture Yard bietet viel Wissenswertes über Peter Tosh und die prägendsten Musik-Legenden Kingstons. Für Tosh-Fans sind diese Plätze absolute Highlights und dürfen auf der To-Do-Liste nicht fehlen.

 

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