Wo Trenchtown „rockt“ – Der Trenchtown Culture Yard in Kingston


Lesezeit: 4 Minuten

Den Trenchtown Culture Yard haben wir bisher in keinem gedruckten deutschsprachigen Reiseführer gefunden. Wenn man auf einschlägige Ratgeber hört, sollte man da am besten erst gar nicht hingehen. Schliesslich liegt der Trenchtown Culture Yard in der First Street 6/8 in
TRENCHTOWN/ KINGSTON/ JAMAICA.
Angeblich fährt kein Taxifahrer freiwillig in diese Gegend. Aber durch sowas lassen wir uns doch nicht abschrecken! Mit Recht, denn ein Besuch in der „Keimzelle des Rootsreggae“ lohnt sich wirklich!

Die ursprünglichen Gebäude aus den 1940er Jahren wurden einst von der Regierung als gefördertes Wohnprojekt errichtet. In den sogenannten „Gouvernment Yards“ konnten Familien für 12 Shilling im Monat eine Zweizimmerwohnung mieten. Die sanitären Anlagen und die Kochgelegenheiten teilte man sich mit den anderen Mietern innerhalb des „Yards“. Das sollte die Gemeinschaft fördern. Viele der Gebäude sind tatsächlich noch aus dieser Zeit und meist in erbärmlichem Zustand. Trotzdem sind sie bewohnt und wer hier lebt, hat wenigstens eine Steinwand um sich herum. Das Glück hat in Downtown Kingston nicht jeder. Die Gebäude, in denen früher der Ortsvorsteher von Trenchtown lebte, wurden restauriert und sind heute als Trenchtown Culture Yard zu besichtigen.

6 - 8 First Street Kingston Jamaica
Wie kommt man zum Trenchtown Culture Yard in Kingston?

Wir sind 2017 tatsächlich zu Fuss zum Trenchtown Culture Yard gelaufen. Allerdings war dies ein eher unfreiwilliger Spaziergang, wir fanden einfach nicht den richtigen Bus. Gefressen haben uns die Trenchtowner nicht. Trotzdem fanden wir es 2019 komfortabler, mit dem Auto anzureisen. Parken kann man direkt an der Strasse in der First Street. Wer nicht selbst fahren mag, der sollte sich vielleicht einen Fahrer organisieren, die Unterkünfte wissen meist einen vertrauenswürdigen. Oder aber ihr bucht eine Tour durch Kingston, z. B. mit dem Team vom Life Yard oder bei Jamaica Cultural Tours. Natürlich bieten auch andere Tourunternehmen auf Jamaika eine Tour nach Kingston mit Trenchtown Culture Yard an.
Und JA – es hält in der Nähe auch einer der gelben Linienbusse Kingstons. Ob es jedoch empfehlenswert ist, den Weg von der Spanish Town Road her als Fussgänger zu bewältigen, können wir nicht beurteilen.

Das „Trenchtown Culture Yard Museum“ – Trenchtowns Geschichte und Geschichten

Der Culture Yard beherbergt unter Anderem eine kleine Ausstellung, die die musikalische Geschichte von Trenchtown anhand von Fotos, Zeitungsartikeln, Instrumenten und Möbeln präsentiert. Man sagt, hier lernte Bob von Vincent „Tata“ Ford Gitarre spielen und diese ist natürlich hier zu bewundern. Vincent Ford und Mortimer Planno waren Bob’s wichtigste Vorbildfiguren in Trenchtown. Das Zimmerchen in einer ehemaligen Küche, in dem Bob Marley seinerzeit recht bescheiden lebte, kann man sich im Trenchtown Culture Yard ansehen.

Im Innenhof des Culture Yards rostet der alte, erste Tourbus der Wailers vor sich hin. Es ist ein VW. Wahrscheinlich wäre es schlau, diesen metallenen Zeitzeugen zu restaurieren, bevor er nur noch ein Rosthäufchen ist. Ob VW jedoch dazu bereit wäre, entzieht sich unser Kenntnis. Immerhin haben die Deutschen ja schon einmal im Trenchtown Culture Yard mitgemischt: 2003 konnte der Culture Yard mithilfe der Deutschen Botschaft in Kingston renoviert werden.

Unterwegs im Brennpunkt – Community Walks in Trenchtown

Der Trenchtown Culture Yard ist täglich geöffnet: Montag bis Freitag 9:00 Uhr bis 18:00 Uhr, Samstag 9:00 Uhr bis 20:00 Uhr und am Sonntag von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr. Drei spannende Touren sind im Angebot: 12 USD kostet die 45-minütige Yard-Führung. Für 18 USD gibt es dazu noch einen geführten 45-minütigen Spaziergang durch Trenchtown. Er dauert insgesamt 1,5 Stunden. 30 USD kostet die etwa 2-stündige Tour durch Trenchtown inklusive Touren 1, 2 und Besuch eines kleinen Musikstudios.

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Der Trenchtown Culture Yard ist für sich besucht, schon ein inspirierender Ort und man spürt unweigerlich die Magie, die davon ausgeht. Aber erst, wenn man selbst durch die Strassen Trenchtowns läuft, bekommt man einen ungefähren Eindruck von den Lebensumständen und den täglichen Herausforderungen, die die Einwohner eines der ärmsten Stadtteile Kingstons zu meistern hatten und haben. Und wie diese Umstände Menschen dazu bringen, Kreativität auszubilden und dafür einzusetzen, diese Umstände erträglicher zu machen oder ihnen zu entfliehen. Nicht umsonst wird Trenchtown auch als „The birth place of Reggae – Geburtsort des Reggae“ bezeichnet.

„Bob Marley didn’t made Trenchtown – Trenchtown made Bob Marley“

Trenchtown hat ausser den Wailers auch schon vor und nach deren Hochzeiten bemerkenswerte Künstler hervorgebracht, wie Alton Ellis, Joe Higgs, Mortimer Planno, und Delroy Wilson – um nur einige zu nennen. Während unseres Community-Walks trafen wir im Musikstudio des Trenchtowner Mehrzweck-Zentrums das Vater-Sohn-Gespann „McA-Lion & Binghi“, die gerade an einem neuen Song feilen. Ihre Songs sind eigentlich nur auf Download-Plattformen im Internet erhältlich, doch wir können hier exclusiv eine handsignierte CD kaufen. Im Januar 2020 performten McA-Lion & Binghi auf dem Rebel Salute Festival, welches jährlich an der Nordküste Jamaikas stattfindet.

Tipps für den Trenchtown Culture Yard und Trenchtown

Auf der Tour durch die Strassen Trenchtowns gibt es viele Möglichkeiten, die Besitzer der kleinen Shops dort zu unterstützen. Erfrischt euch bei einem Getränk oder holt euch einen Snack. So kommt man auch mit den Menschen ins Gespräch. Im Yard selbst gibt es einen kleinen Souvenirshop. Manchmal trifft man dort auch auf Kreative von ausserhalb, die ihre Kunst an den Gast bringen wollen. Wie Dada, der Getränkekartons und allerhand andere Wertstoffe upcyclet und daraus Spielzeugautos baut. Auch in der Casbah Bar im Culture Yard kann man im Anschluss die Tour noch ein wenig ausklingen lassen. In Planung ist ein kleines Restaurant auf dem Yard.

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Mit den Einnahmen aus dem Trenchtown Culture Yard werden auch andere gemeinnützige Projekte in Trenchtown unterstützt. Beispielweise das Trenchtown Reading Center, welches auf jeden Fall eine (vorher angekündigte) Stippvisite wert ist.

Der Trenchtown Culture Yard ist ein spannender Spot für Wailers-Fans. Anhänger von Bob Marley, Peter Tosh und Bunny Wailer sowie anderer musikalischer Legenden Trenchtowns erhalten hier auf interessante Weise Einblicke in die musikalische Wiege und das Werden ihrer Idole. Doch auch wer sich für die Menschen interessiert, bekommt in Trenchtown einen Eindruck der Lebensumstände der ärmsten Einwohner Jamaikas. Darum empfehlen wir Besuchern auf jeden Fall, sich Zeit zu nehmen und eine der beiden längeren Touren mit dem Team vom Trenchtown Culture Yard zu machen.

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Kategorien:Bob Marley, Bunny Wailer, JAMAIKA ENTDECKEN, JAMAIKAS PERSÖNLICHKEITEN, MENSCHEN UND KULTUR, Peter ToshSchlagwörter:, , , , , , , , , ,

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