15. – 16. März 2019 * Rum-Touren an der Südküste


Lesezeit: 8 Minuten
15. März 2019 – Mal ein bisschen RUMgetourt

Guten Morgen, Parottee! Nach dem Frühstück und einem kurzen Telefonat mit Captain Joseph Brown machten wir uns auf, um mit ihm unsere Bootstour am Samstag abzukaspern. Unser Treffpunkt sollte beim Jake’s Resort in Treasure Beach sein. Das Jake’s ist ein Boutique-Resort und gehört ebenfalls wie das Jack Sprat den Henzells. Restaurant und Bar sind auch für Nicht-Gäste offen zugänglich.

Wir finden Joseph bei einem Ting an der Bar und sorgen erstmal für die richtige Diskussionsgrundlage – einen Rum für Joseph, Red Stripe Light für uns. Der Captain ist in unserem Alter, wir kommen schnell ins Gespräch und smalltalken über dies und das und das Leben. Ein wenig Deutsch kann er durch eine deutschsprachige Freundin, die er mal hatte, verhandelt wird aber auf Englisch. Über die Details unserer Bootstour werden wir uns schnell einig und verabreden uns für morgen erneut hier am Jake’s.

Immer dem Zuckerrohr nach

Um die Mittagszeit machen wir uns dann zur ersten Station unserer eigentlich geplanten heutigen Tour auf. In Appleton wollen wir uns ansehen, wie die neuen Eigentümer Campari die beliebte Rumtour umgestaltet haben. 2013 hatten wir das Vergnügen, als fast einzige Gäste dort eine Führung von unserem deutschsprachigen Tourguide Donald zu bekommen.

Nach etwa einer Stunde in nördlicher Richtung durch die hoppelige Landschaft kommen wir im grünen, zuckerrohrbewachsenen Nassau Valley an. Die letzten Meter fährt uns ein „mit Berg“ beladener Zuckerrohr-Truck voraus. Wir schauen uns ein wenig auf dem Aussengelände um, als ein Angestellter auf uns zukommt: „Die nächste Tour startet gleich, also wenn ihr noch mitwollt…“ Klar, wollen wir! Wir zahlen den Eintrittspreis von 30 USD pro Person, in dem jetzt jeweils auch ein Rum-Cocktail an der Bar und ein Minifläschchen Appleton Signature inkludiert ist. Ich entscheide mich für den „Stormy Valley“, Lars versucht einen Rumpunch. Da er ja fahren muss und noch eine Rumverkostung ansteht, überlässt er später das meiste davon dann doch mir.

Alles über Appleton-Rum

Und jetzt geht es auch schon los mit „The Joy Spence Appleton Estate Rum Experience“- Tour. Zuerst gibt es die Basics und ein Image-Filmchen a la „Wer wir sind und was wir tun.“ Dann erklärt uns Guide Kimberley den Herstellungsprozess des Appleton-Rums vom Zuckerrohr bis zum Fass in mehreren Stationen auf dem Gelände. Es hat sich einiges verändert in Appleton, Man ist professioneller geworden, als anno 2013. Da durften wir noch nach Herzenslust an einer Art Bar alle Sorten Spirituosen probieren, die von Appleton hergestellt wurden. Heute ist das anders, am Ende der Tour gibt es ein waschechtes Rum-Tasting mit einer Rum-Expertin. Danach ist man ausgewiesener Appleton-Rum-Kenner! 
Fazit: „The Joy Spence Appleton Estate Rum Experience“ hat ihren Namen definitiv verdient. Hicks – sorry. Ich habe natürlich auch Lars‘ im Tourpreis inkludierten Rumcocktail vernichten „müssen“. Mehr Details über die „Joy Spence Appleton Estate Rum Experience“ lest ihr demnächst in einem separaten Beitrag.

Angesichts meiner Rumlaune, des fortgeschrittenen Nachmittages und dicker Wolken (es regnete daraus sogar ein wenig) haben wir die noch geplanten Breadnut Falls übersprungen und sind direkt auf den Markt in Black River gefahren. Erstens wollen wir uns mit Gemüse versorgen und zweitens haben wir ja immernoch die Fotos für Sandra und Sushi im Gepäck. Wir finden Sandra sofort an ihrem Obst-und Gemüsestand und zeigen ihr eines der Fotos: „Excuse me, Miss. We’re looking for this girl?“. Sandra ist beim Blick aufs Foto erst kurz verblüfft, fängt dann aber an zu lachen und nimmt uns spontan in ihre resoluten Arme. Sofort macht sie sich mit uns quer durch die Markthalle auf die Suche nach Sushi. Unterwegs stellt sie uns ihren Vater vor, der hier ebenfalls verkauft und sich über eines der Fotos riesig freut. Dann finden wir auch Sushi, welcher grosse Augen macht. Unter dem Gelächter der Umstehenden werden die Aufnahmen aus 2018 begutachtet.

Wer nicht hören will, muss Feuer spucken

Zurück an Sandras Stand decken wir uns mit Escallions (Lauchzwiebeln), Tomaten, Paprika, Thymian und Scotch Bonnet ein. „Aber nur ein ganz kleines Stück verwenden, hörst du?“ instruiert mich Sandra. Ich frage sie nach ihrer Familie. Sie hat zwei Kinder, ein Pärchen von 8 und 10 und zeigt uns Fotos auf ihrem Handy. Dann müssen wir schon weiter, es wird bald dunkel. Wir verabschieden uns „Bis zum nächsten Mal.“ Im Weggehen sehe ich, dass sie uns noch 2 kleine Mangos obendrauf geschummelt hat… wir winken ihr dankend durchs Autofenster.

Mit dem Marktgemüse, einem Rest Jerk Chicken und einem Paket Instantnudeln bereiten wir uns zurück im Cottage dann ein jamaikanisch scharfes Abendessen zu. Natürlich verwende ich die scharfe Schote nicht – wie von Sandra empfohlen – homöopatisch, sondern „frei Schnauze“. Huiiiiiiiiiii… Scotch Bonnet – Dem HOT!!! Maaan!  Zum Löschen passt ein Red Stripe natürlich bestens. Später zelebrieren wir beide bei Rum-Cola und Youtube einen kleinen Peter-Tosh-Abend, während die Memmels im Haupthaus die Neuankömmlinge aus Österreich und Deutschland über die „Dos and Don’ts“ auf Jamaika aufklären. 

16.03.2019 – Ein Tag am Meer 

Endlich ist Samstag und die heiss ersehnte Bootstour mit Captain Josephs One Love Boat steht an. Juhuu, die Sonne scheint! Wir würden doch so gerne mal Delfine sehen… Doch erstmal einen Kaffee und ordentlich gefrühstückt! Die Selbstversorgerei wird schon zur Routine, auch wenn es heute zu Corned-Beef-Toast und Rührei nur Instantkaffee gibt, weil im Supermarkt in Black River nichts anderes aufzutreiben war. Auch Nala und Spike sind schon „on duty“ und checken das Gelände des Jamaica Beach Cottages auf streichelwillige Frühaufsteher ab. Ach, ihr Süssen, wir würden euch ja gern den ganzen Tag beknuddeln, doch wir müssen los zum Treffpunkt mit unserem Captain. 

Am Jake’s haben wir noch ein wenig Gelegenheit uns umzusehen, Joseph ist noch nicht eingetroffen. Man kann hier sogar jamaikanisch frühstücken und das in wirklich schönem Ambiente. Nunja, wir sind erstmal satt – hätten wir gewusst, was kulinarisch noch auf uns zukommt – wir hätten glatt auf Frühstück verzichtet! Joseph kommt und wir folgen ihm zur Frenchmen’s Bay, wo sein One Love Boat und ein Helfer schon auf uns warten. Shamar ist 19 und hilft Joseph beim Beladen. Mehrere Kühlboxen kommen mit an Bord. 

Welcome to Seagrape

Wir düsen los, es geht westwärts an der Küste entlang. Wir lassen uns den salzigen Fahrtwind um die Nase wehen und geniessen den Blick auf das Ufer, wo man nun endlich einmal auch den Fort Charles Beach in seiner ganzen langen Pracht bewundern kann. Kurz bevor die Starve Gut Bay ihr freches Stupsnäschen in die Parottee Bay steckt, gehen wir an Land. Hier hat sich Captain Joseph ein lauschiges, luftiges Plätzchen geschaffen, an dem man mehr als nur picknicken kann. Zwischen dicht beblätterten Seetrauben-Bäumen steht eine auf Stelzen gebaute und überdachte Holzterrasse. Nebenan eine kleine Aussichtsplattform für das wahre Piratenfeeling. Hängematten laden zum Chillen ein, während in einer offenen Küche im hinteren Bereich über Holzkohlefeuer ein 3-Gänge-Menü gezaubert wird. Hatte ich die Bar erwähnt? Alles, was das Herz begehrt, wird hier gekühlt ausgeschenkt. Jetzt erschliesst sich uns der Sinn der vielen mitgereisten Kühlboxen.

„Willkommen – das ist mein Platz. Ich habe ihn „Seagrape“ genannt und ihr habt ihn heute für euch ganz allein. Was wollt ihr trinken?“ – Joseph ist sichtlich stolz auf sein selbst geschaffenes Strandjuwel. Da es schon Mittag vorbei und die nächste Autofahrt noch nicht in Sicht ist, bestellen wir beide einen Rumpunch. Herrlich ist es hier! Lars begibt sich mit seiner Go-Pro ins Wasser und ich schreibe, den rauschenden Wellen lauschend, Urlaubskarten und vervollständige meine Reisenotizen. 

Lecker, lecker lecker! – Seafood vom Feinsten!

In der Outdoor-Küche sind Joseph, Shamar und Popeye damit beschäftigt, Fisch und Seafood zu den Leckereien zu verarbeiten, die uns später kredenzt werden sollen. Ich darf natürlich einen Blick in die Töpfe werfen und komme mit den Dreien ins Gespräch. Popeye will wissen, wo wir Unterkunft haben und ist erfreut, als ich Parottee erwähne: „Da komm‘ ich ja her, man!“ Mit Jamaica Beach Cottages kann er zwar nicht viel anfangen, aber als ich den Namen Anke nenne, werden seine Augen gross: „Ja Anke*, die kannte ich. War eine liebe Frau und ein guter Mensch!“

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Genug geplaudert – das Essen ist fertig! Wir werden wie im Sternerestaurant an einer schön gedeckten Tafel platziert und bekommen die Vorspeise auf einem Seagrape-Blatt serviert. Der saftige Salat aus Landkrabben ist wirklich sehr lecker. Dazu gibt es Weisswein, der überraschend gut schmeckt und prima mit dem Essen harmoniert. Joseph tischt uns jetzt die Hauptgänge auf: Stewed Kingfish mit gedünstetem Gemüse und Rice ’n Peas sowie Lobster in Knoblauchbutter. „Lecker, lecker lecker! Guten Appetit!“ grinst er und überlässt uns dem ungezügelten Genuss. Später gesellt er sich mit seinem Teller zu uns. Dann ist erstmal Siesta angesagt, die Hängematte ruft nach ihm.

Für eine Partie Domino ist immer Zeit!

Für ein Schläfchen ist uns dieser schöne Ort zu schade, ausserdem hört man Shamar und Popeye beim Dominospiel, welches wohl das ungekrönte Nationalspiel Jamaikas ist.   DAS will ich sehen und schleiche mich runter in die „Küche“. Ob ich wohl ein Foto machen dürfe, frage ich höflich. „Sure, mon! Hast du schon mal Domino gespielt?“ Ohje, das ist lange her… ich schlage vor, nach oben auf die Terrasse zu gehen, der Tisch ist grösser und Lars spielt gerne mit. So erhalten wir beide tatsächlich eine unverhoffte Domino-Lektion. Popeye amüsiert sich ein wenig, weil ich so wenig Plan von Domino und Taktik habe und am verlieren bin. Wir scherzen hin und her und kloppen Steine, bis Joseph die Jungs zum Aufbruch mahnt. Sie entschwinden und machen den Abwasch.

Lars und ich gehen ein bisschen am Strand spazieren, das Meer lockt jetzt auch mich hüfttief ins Wasser. Der Rock wird nass – egal, das trocknet ja schnell! Ein paar hundert Meter weiter am Strand treffen wir auf die Reste von Josephs altem „Beach-Hut“, uns überfallen mal wieder Robinson-Fantasien. Ein angeschwemmter Sneaker lässt uns Mutmassungen über seine Herkunft anstellen. Wir malen uns aus, wir bauen uns hier eine Hütte am Meer. Natürlich wissen wir, wie schnell die Wind und Wellen zum Opfer fiele, aber wir juxen halt gerne rum. Die Zeit vergeht hier beim Seagrape wie im Fluge. Als wir mit dem Boot weiterfahren ist es schon Nachmittag. Wir wollen noch zur Pelican-Bar. Auch hier waren wir vor einigen Jahren schon einmal.

Pelican Bar

Copy and Paste – Nicht nur bei Chinesen beliebt

Wie eine Kulisse aus Kevin Costners „Waterworld“ mutet Floyd’s Pelican Bar von Weitem an. Seit unserem letzten Besuch 2016 wurde der einstige Geheimtipp renoviert und bekam ein neues Dach. Angebaut wurde scheinbar auch, was dringend nötig war denn mittlerweile ist dieser Ort ja mitnichten mehr ein Geheimtipp und immer mehr Besucher lassen sich von der Südküste aus mit Booten übersetzen, nur um mal ein Bier in einer Bar im Wasser zu trinken. Kein Wunder, dass auch andere auf die Idee kamen, aus der Gier der Touristen nach „Speziellen Plätzen“ Nutzen zu ziehen. In Sichtweite befindet sich eine zweite „Wasser-Bar“ – „Copy and Paste seit 2017“ – meint Joseph schulterzuckend, aber sie sei wohl offiziell nicht mehr in Betrieb. Zwei Red Stripe und ein paar Unterwasser-Fotos später hatten wir auch schon genug und fliegen im One Love Boat über die Wellen zurück nach Treasure Beach. Delfine haben wir auch dieses Mal keine gesehen. Wir sind nicht allzu traurig – das heisst sicher, dass wir wiederkommen sollen.

Business as usual

Bei „Eggy’s Beach Bar“, die wir aus 2017 schon kennen, laden wir Joseph noch auf ein Getränk ein und erfüllten nun unseren Part der Tour. Joseph und Shamar haben sich ihren Feierabend redlich verdient und verabschieden sich. Wir sitzen noch ein wenig bei unseren Getränken. Ein Rasta versucht uns zu überzeugen, an seinen Stand mit Kunsthandwerk zu kommen. Mit unserer Antwort, dass wir nichts Materielles benötigen, weil wir jedes Jahr Erinnerungen mit heim nehmen, ist er nicht zufrieden. Er freut sich aber über ein spendiertes Bier. Eggy kommt aus der Küche, als ich das Bier hole. Ich krame das Foto von vorletztem Jahr aus dem Handy, er schmunzelt und meint auf die Nachfrage, wie die Geschäfte jetzt laufen: „Up and down, darling. Up and down.“ 

Eggys Beachbar 2019

Wir reissen uns los von der Frenchman’s Bay und fahren noch fix nach Black River zum tanken, wir müssen morgen ja bis Kingston kommen. Immernoch pappesatt von Josephs leckerem Essen verfaulenzen wir später den Abend auf der Cottageterrasse. Geschafft von der vielen Seeluft gehen wir auch zeitig schlafen.

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*Anke Döring führte bis zu ihrem frühen Ableben 2009 „Ankes Beach Cottages“, welche nun von den Memmels als „Jamaica Beach Cottages“ weiter betrieben werden.
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