S wie Schoolkids ODER Schülerleben auf Jamaika


Ich muss euch was gestehen… mein Mann weiss es schon lange:

Bei Uniformen werd‘ ich schwach.

Doch nicht die schicken Basler Polizisten oder die deutschen Grenzer in Weil am Rhein haben’s mir angetan. Nein- die Schuluniformen auf Jamaika. Und die, die drinstecken, die Kinder Jamaikas.
Logisch, dass man das in einem Beitrag verarbeiten muss, oder?

Zum Thema Schulpflicht auf Jamaika gibt es gegensätzliche Informationen, der Schulbesuch ist jedoch obligatorisch auf Jamaika. Schon die Kleinsten besuchen im Alter von 3-5 Jahren die Vorschule. Danach kann auch die sechsjährige Grundschule kostenlos besucht werden, für eine weiterführende Schulausbildung muss dann ein Schulgeld entrichtet werden.
Alle Schüler auf Jamaika tragen eine Schuluniform. Meistens tragen die Jungen, für die ein Kurzhaarschnitt in der Regel Vorschrift ist, ein beiges Hemd und eine beige Hose und wirken damit ein wenig wie Parkranger. Dagegen hilft eine Krawatte, deren Muster Aufschluss über die besuchte Schule gibt. Manchmal haben auch die Mädchen eine Krawatte. Jamaikanische Schülerinnen tragen zu einer weißen Bluse ein einfarbiges Kleid, oft in kräftigen Farben, mit dem Schulemblem. Wenn man als Mädchen aus der uniformierten Masse herausstechen will, tut man das mithilfe seiner Frisur.

Besonders am Morgen vor Schulbeginn und am Nachmittag, wenn die Schule aus ist, prägen die adrett gekleideten Schulkinder das Bild auf den Strassen Jamaikas. So eine schicke Schuluniform kostet jedoch richtig Geld und die lieben Kleinen wachsen fix. Ebenso ins Geld gehen Bücher, Hefte, Stifte etc. Den Transport zur oft weiter entfernten  Schule kann sich auch nicht jede Familie leisten. Die meisten Familien auf Jamaika sind alleinerziehend. Ein ausgebautes soziales Netz mit Zuschüssen zum Lebensunterhalt, wie wir es aus Europa kennen, gibt es auf Jamaika nicht. Viele Kinder gehen aus diesen Gründen nur unregelmäßig zur Schule. Nicht selten leisten jamaikanische Kinder auch einen wichtigen Beitrag zum Lebensunterhalt, indem sie auf Märkten, als Straßenverkäufer, auf Feldern, Fischerbooten oder als Hausangestellte arbeiten.

Education is a MUST!

Laut UNICEF wird 99.7% der Kinder auf Jamaika Zugang zum Besuch einer Grundschule geboten und 83% haben die Möglichkeit, weiterführende Schulen zu besuchen. Das Schulsystem auf Jamaika ist an das britische Schulsystem angelehnt. Das Schuljahr auf Jamaika läuft von September bis Ende Juni, die Kids haben ganze 8 Wochen Sommerferien. Die Schule beginnt normalerweise meist um 8:30 Uhr und endet um 15:30 Uhr. An einigen Schulen mangelt es an ausreichend Unterrichtsräumen und so werden die Schüler in „Schichten“ unterrichtet, dann weichen die Unterrichtszeiten ab. Trotz der Beschulung in Schichten liegt die Klassenstärke bei etwa 30 Schülern. Frontalunterricht, striktes Auswendiglernen inklusive Nachsprechen im Klassenverband sind bei den meist strengen und zudem unterbezahlten Lehrern an der Tagesordnung.

Erschwerend kommt hinzu, dass bei den meisten Schulen auf Jamaika am Ende des Budgets noch so viel Schuljahr übrig ist. Der Etat für die Schulen ist einfach viel zu knapp, so fragt sich Mancher, ob man die Bevölkerung mit Absicht ungebildet und damit klein halten will.  In ihrer Not versuchen Schulen, Schüler und Eltern den Schulbetrieb mithilfe von Spendenaktionen, Basaren, usw. zu finanzieren. So manche Schule wird von ausländischen Projekten und Sponsoren unterstützt, meist reicht es gerade eben für das Nötigste. Entsprechend dürftig fällt auch die Ausstattung der Klassenräume aus.

Nach der Grundschulzeit entscheidet ein Test, ob der Schüler die weiterführende Schule besuchen kann. Nach weiteren drei Jahren entscheidet sich, ob der Schüler zwei weitere Jahre auf der Highschool oder einem College die Schulbank drücken und das A-Level, also Abitur machen wird. Das können sich die wenigsten leisten und Stipendien, etwa von Kirchen und privaten Stiftungen sind rar und heiss begehrt unter den talentiertesten der Jamaikanischen Schüler.
Wer auf Jamaika studieren will und kann, besucht eine der jamaikanischen Universitäten. Die angesehenste ist die 1948 auf Jamaika gegründete „University of the West Indies“, die einen ihrer Standorte in Mona/ Kingston unterhält. Weitere  Möglichkeiten für  Studierwillige bieten die University of Technology ebenfalls in Kingston sowie die Northern Carribean University in Mandeville.

Die meisten der hauptsächlich weiblichen Hochschulabsolventen Jamaikas verlassen danach die Insel, um ins Ausland zu gehen. Das führt dazu, dass trotz Bildungsmöglichkeiten die Armut auf der Insel bleibt. Denn trotz einer Alphabetisierungsrate von 88,7 % (CIA World Factbook 2015) können viele Erwachsene nicht lesen, schreiben und auch nicht rechnen.

Es gibt kaum Möglichkeiten für die Schüler, sich nach der Schule sinnvoll zu betätigen. Einrichtungen, die z.B. Hausaufgabenhilfe und Ähnliches anbieten, sind rar und werden meist auch entweder als Freiwilligenarbeit von ausländischen Projekten betrieben oder von den kirchlichen Organisationen angeboten. Sportbegeisterte können ihre Leidenschaft eher selten in Vereinen oder Ähnlichem ausleben. Denn selbst wenn so etwas beitragsfrei wäre, bräuchte es wieder Geld für geeignete Kleidung. So strolchen nach der Schule viele Kinder einfach so in der Gegend herum oder schauen fern und das Gelernte verpufft wieder, statt sich zu festigen.
Damit verlieren sich auch die Talente der Kinder im Nichts, was für Frustration und Gleichgültigkeit sorgt, welche sich oftmals in Gewalt entlädt. Doch dieses Problem auf Jamaika ist ein anderes Mal Thema bei uns.

Sicher fragt ihr euch jetzt, wie genau man Bildungseinrichtungen auf Jamaika unterstützen kann. Da gibt es viele Möglichkeiten:

– Geldspenden an Vereine und Projekte:
Help Jamaica!
Deutsch- Jamaikanische Gesellschaft

– Freiwilligenarbeit in verschiedenen Projekten:
Help Jamaica!
Projects Abroad

– Spenden an Sportprojekte und Vereine auf Jamaika:
Port Antonio Synchronschwimmerinnen-Team

– Bildungsreisen/Sprachreisen bei denen ein Teil der Gebühr an Projekte geht: lernenundhelfen.de

– direkte Unterstützung von Schulen und Bildungseinrichtungen vor Ort mit Sachspenden:
Pack for a purpose -Mithilfe einer Packliste sinnvoll helfen

– Unterstützung von Schulkindern bestimmter Ortschaften:
www.kinder-von-grandy-hole-bridge.de

– Selbst ein Projekt oder eine Spendenaktion starten
wie JP Liesenfeld der eigentlich nur Fahrräder
für Jamaikanische Kinder spenden wollte
OneLoveBrigade

– befreundete Familien auf Jamaika unterstützen

– Beiträge von Spendenaktionen, Hilfsaufrufe für Jamaika, etc. in Social Media teilen

Auch der kleinste Beitrag, den man leistet ist wertvoll
und besser, als gar nichts zu tun.
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