O wie Obeah ODER Hokuspokus auf Jamaika


Jamaikaner sind aufgrund der Herkunft ihrer Vorfahren und durch die Weitergabe von deren Traditionen sehr spirituell . Sehr viele glauben an Duppies (Geister), das erschliesst sich schon aus unserem Beitrag N wie Neun Nächte oder Totenkult auf Jamaika. So ist es nicht verwunderlich, dass sie auch glauben, diese Geister könnten in Menschen „einfahren“, Besitz von ihren Seelen ergreifen und über sie herrschen. Damit man solche übersinnlichen Eindringlinge wieder los wird, bedarf es eines Besuches beim Obeahman. Doch was ist Obeah eigentlich?

Importierte Hexenkunst aus Afrika

Obeah ist eine der vielen jamaikanischen Traditionen und die ursprünglich in Westafrika verwurzelt sind und mit den Sklaven nach Jamaika gebracht wurden. Zu ihnen gehörten Heiler, Medizinmänner und Priester. Viele übten ihre traditionellen und spirituellen Praktiken auch auf Jamaika weiter aus, schon weil kaum ein Plantagenbesitzer Geld für einen Arzt ausgab, um kranke oder verletzte Sklaven heilen zu lassen. Natürlich gehörte Obeah mit zu den Dingen, die von der weissen Herrschaft nicht gern gesehen und verpönt war. So fanden Konsultationen bei Obeah-Männern oder Obeah-Frauen und rituelle Zusammenkünfte im Geheimen statt, was wahrscheinlich bis heute so geblieben ist. Bei solchen rituellen Zeremonien wurden oft Tiere, meist Hühner geopfert, um die Duppies gewogen zu machen.

Obeah- Praktizierende kennen sich sich gut mit pflanzlichen Wirkstoffen aus. Daraus werden Tränke, Salben und Ähnliches hergestellt, die zu verschiedenen Zwecken eingesetzt werden und die die Wirkung eines Zaubers oder Fluches verstärken sollen. Wer zu einem Obeah geht, der erhofft sich Heilung von Krankheiten, Abwendung von Flüchen und dergleichen oder spirituelle Unterstützung in verschiedensten Angelegenheiten. Obeahzauber ist ein letzter Ausweg für viele, die die Möglichkeiten der konventionellen Medizin ausgeschöpft haben. Für viele, die ihre Liebenden für immer an sie binden, den Erfolg einer heiklen Unternehmung sicherstellen oder sich an ihren Feinden rächen wollen ist Obeah die erste Wahl.

Obeah wurde 1760 in Jamaika unter drakonische Strafen gestellt, weil das Wissen der Obeahs auch durch Haussklaven eingesetzt wurde, um verhasste Plantagenbesitzer und deren komplette Familien zu vergiften. So geschehen im Verlauf der Tacky-Rebellion in St. Mary, von wo diese Praxis schnell auf andere Anwesen übergriff.

Verborgene Hassliebe – Obeah im 21. Jahrhundert

Kriminalisiert wird Obeah auf Jamaika nun nicht mehr, aber da es durch die Kirche mit «dem Bösen» assoziiert wird, findet es immernoch mehr im Verborgenen statt.
Wenn man Jamaikaner heute nach Obeah fragt, behaupten die meisten, dass sie nicht daran glauben und dass Obeah nur Unsinn und Aberglaube ist. Manche wiederum glauben wohl an seine Macht, geben aber vor, es niemals zu praktizieren. Nur ganz wenige geben offen zu, dass sie jemals mit Obeah zu tun hatten, geschweige denn Obeahzauber benutzt haben, um etwas Bestimmtes zu erreichen.

Trotz aller Ressentiments sind Obeah- Ausübende inoffiziell in der jamaikanischen Gesellschaft hoch angesehene Personen. Die Kundschaft zieht sich durch alle gesellschaftlichen Schichten Jamaikas, obwohl offiziell kaum jemand daran glaubt. Auch um das, was nun Obeah beinhaltet, scheiden sich die Geister der Jamaikaner. Die einen interpretieren Obeah als Heilritual auf Naturbasis. Andere wieder fassen mit Obeahkunst im Wesentlichen als das Beschwören von Geistern zusammen und dass es hauptsächlich dazu benutzt wird, Böses zu tun oder Böses abzuwehren.

Erstaunlicherweise hatte ein gewisser Lauron William de Laurence, ein Autor und Verleger des späten 19. Jahrhunderts aus Amerika, einen grossen Einfluss auf die Entwicklung des heutigen Obeah auf Jamaika. Sein Verlag und sein Versandhandel waren erfolgreiche Vorreiter im professionellen Geschäft mit magischen und okkulten Waren. Auf Jamaika sind seine Machwerke allerdings verboten, weil er das sogenannte «Sechste und Siebente Buch Mosis» verlegte, in welchem allerhand Anleitungen zu Magie und Zauberkünsten gegeben wird und auch Obeah- Praktizierenden bis heute als Inspiration dient.

Und was glaubst DU?

Daran zu glauben ist wohl unerlässlich für jemanden, der sich Wirkung davon erhofft. Wie bei vielen Dingen zwischen Himmel und Erde die einfach zu funktionieren scheinen oder passieren, wenn man nur fest genug daran glaubt. Und das ist wohl auch der Grund für die heimliche Popularität von Obeah auf Jamaika: In den meisten Jamaikanern ist der Glaube daran fest verwurzelt, weil schon die Grossmütter daran glaubten und vor ihnen deren Grossmütter.

Vielleicht fragt ihr euch gerade, wie WIR auf dieses Thema gekommen sind?
Zuerst sind wir im Buch „Jamaika-Mike – Ganja, Koks & Karibikträume“ darauf gestossen, in dem der Deutsche Michael Weigelt seine «Jamaika- Geschichte» erzählt. Durchaus lesenswert, wenn man wissen will, wie man NICHT nach Jamaika auswandern sollte. Etwas ausführlicher erzählt und anschaulicher beschrieben wird das Thema «Obeah und Balmmothers (weibliche Heilerinnen)» im Buch «Die Insel der tausend Quellen» von Sarah Lark aka Christiane Gohl, welches im 18.Jahrhundert spielt und die Lebens-, Leidens- und Liebesgeschichte einer Engländerin erzählt, die einen Plantagenbesitzer auf Jamaika heiratet.

Mitreisen könnt ihr übrigens auch hier:

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und Jamaika- Fans

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1 Kommentar

  1. Many educated Jamaicans especially those who live in urban areas like myself have zero belief in nor interest in obeah, but it’s certainly still here. Quite an interesting African cultural retention

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