I wie I-tal is Vital ODER Rastaküche auf Jamaika


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Rastafari- schon das Wort allein lässt die meisten an charismatische dunkelhäutige Männer denken, die ihre beeindruckenden Dreadlocks unter noch beeindruckenderen Ballonmützentürmen verstecken und philosophisch schwadronierend das heilige Kraut rauchen. Doch „Rasta“ bedeutet noch viel mehr, wie ihr bei uns schon des Öfteren lesen konntet. In diesem Beitrag widmen wir uns der Küche der Rastafari, die man nicht allein auf Vegetarismus mit Salzverzicht reduzieren kann.

I- tal means Vital!

«I-tal» ist eine Wortschöpfung der Rastasprache, die das auf Jamaika gebräuchliche Patois so abwandelt, dass mittels spezieller Ausdrücke und Wendungen ihre Religion und Weltanschauung sehr bildhaft verdeutlicht wird. „I-tal is vital“ drückt die Ansicht der Rastafari aus, das nur möglichst frische und ursprüngliche Lebensmittel, die aus der Natur kommen und nicht künstlich verändert sind, dem Körper Lebenskraft geben. Zubereitet nach bestimmten Regeln versteht sich, damit die natürliche Kraft in den Lebensmitteln sich in der zubereiteten Nahrung entfalten kann. Fertignahrung wie Konserven kommen nicht auf den Tisch, in ihnen ist nach Rastadefinition kein Leben mehr. Was Rastas zum Leben benötigen, holen sie aus der Natur oder bauen es selbst an.

Fast alle Rastas lehnen Fleisch – besonders Schweinefleisch – ab, weil Fleisch vom Körper sehr langsam verarbeitet wird und ihn so belastet. Rastafaris möchten ihren Körper möglichst „rein“ halten. Sie trinken keine Kuhmilch, benutzen kein Salz oder andere künstliche Gewürze. Schuppenlose oder grosse Fische, Muscheln und sogar Eier werden von vielen abgelehnt. Strenge Rastas essen weder Fleisch noch Fisch und trinken auch keinen Alkohol. Sie rühren nichts an, was von Nicht-Rastas zubereitet wurde. Nicht alle Rastas halten diese Ernährungsregeln streng ein. Je nach Gruppierung gibt unterschiedliche Auslegungen. Viele von ihnen müssen auch aus finanziellen Gründen ab und an die Regeln brechen oder weil sie keine Möglichkeit haben, selbst genug Gemüse und Obst für den Eigenbedarf anzubauen.

Rastafaris in die Töpfe geschaut – Was und wie Rastas kochen

Rastafari leben oft in Gemeinschaften, in denen die Männer kochen. Frauen dürfen meist nicht in die Küche. Schon gar nicht, wenn sie menstruieren. „Reinheit“ spielt in der Rastafariküche überhaupt eine grosse Rolle. So dürfen die Töpfe, in denen gekocht wird, noch nie mit unreinen Lebensmitteln wie z.B. Fleisch in Kontakt gekommen sein. Und was kommt in die Töpfe der Rastafaris? Eben nur frische, unbehandelte Zutaten, hauptsächlich Gemüse, wobei immer auch auf die Farbigkeit der Gerichte geachtet wird. Grünes Gemüse wie Brokkoli, grüner Spargel und grüne Bohnen gelten als „stark“ und aufbauend. Gewürzt wird mit frischen Kräutern und unverarbeiteten Gewürzen wie frisch geriebenen Ingwer und Muskatnuss, Zimtstangen, zerstossenem Pfeffer und Piment. Zum Braten wird gern Kokosöl oder Olivenöl verwendet.

Eine wichtige Zutat – wahrscheinlich die Wichtigste – ist die Liebe. Liebe zu den Zutaten und zum Kochen selbst sind genauso wichtig, wie die Liebe zu denen, für die die Mahlzeit zubereitet wurde. Jah’s Liebe steckt schliesslich auch in allem, was er schuf. Wenn man auf Jamaika ist, solte man versuchen, ein bisschen von dieser Liebe auf den eigenen Teller zu bekommen. Rasta-Garküchen und I-tal-Restaurants gibt es auf der Insel viele. Nicht alle sind von aussen als solche zu erkennen, aber jeder im Ort weiss, wo man i-tal speisen kann. Es lohnt sich, die Leute auf der Strasse zu fragen.

Gerichte aus der Rastafariküche daheim nachzukochen, ist nicht ganz so einfach, wegen mancher Zutat, die es hier nicht gibt. Wer sich trotzdem dafür interessiert, der findet Rezepte im Internet. Ebenso sind verschiedene, auch deutschsprachige, Rastafari-Kochbücher erhältlich.

Noch mehr über Rastafaris erfahren

Ihr wollt noch mehr über Rastafaris erfahren? Einen kurzen Exkurs in ihre Geschichte, ihren Glauben und ihre Lebensweise könnt ihr mit uns in R wie Rastafari… machen. Pro 7 Galileo war 2013 bei den Bobo Ashanti in den Bergen bei Bulls Bay. Der kleine Film gibt einen interessanten Einblick in ihre Lebensweise. Ob das für normale Jamaikareisende noch möglich ist, war nicht herauszufinden. 2017 hat es auf dem „Bobo Hill“ gebrannt. Wenn ihr selbst tiefer in das Thema eintauchen wollt, solltet ihr auf Jamaika versuchen, mit Rastas in Kontakt zu kommen.

Kategorien:JAMAIKA- ABC, JAMAIKA-KULINARIKSchlagwörter:, , , , , , , , , ,

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