17. März 2019* Kingston is calling!


Lesezeit: 7 Minuten
17.03.2019 – Auf nach Kingston!

Damit unsere Music-Tour mit Karen von Jamaica Cultural Enterprises so stattfinden kann, wie wir sie uns wünschen, müssen wir unsere Zeit bei den Memmels in Parottee Bay um einen Tag verkürzen. Kingston is calling… und wir callen Kingston. Zunächst schien es kein Problem, unser gebuchtes Zimmer einen Tag vorher zu beziehen. Doch dann die schlechte Nachricht: Es geht doch nicht. Buju Banton is in Town. Kingstons Hotellerie ist im Ausnahmezustand. Über ein Buchungsportal finden wir trotzdem noch ein Zimmer für eine Nacht. Im Labrish Guesthouse, nicht weit von unserer eigentlichen Unterkunft ist noch etwas frei.

Beruhigt packen wir unsere Sachen zusammen und verabschieden uns von Volker und Brigitte, die heute mit ihren Gästen und Haus-und Hoffischer Lando die Black-River-Tour macht. Auch Spike und Nala müssen auf ihre Abschieds-Streichel-Orgie nicht verzichten. Macht’s gut ihr Süssen … und passt auf eure Leutchen auf! Unsere Weiterfahrt von Parottee nach Kingston wird uns nochmal durch Middle Quarters führen, denn die Pepper-Shrimps sind einfach zuuu verführerisch und durch die Bamboo Ave zu fahren ist immer wieder schön.

Patricias Pepper-Shrimps in Middle Quarters und Frischer Fisch im Little Ochi

Sonntags ist nicht viel los in Middle Qarters. Wer es sich leisten kann, geht in die Kirche, statt Krustentiere zu verticken. Ein paar Unverzagte bieten aber doch ihre „Swimps…Swimps…“ feil und wir halten. Eine Verkäuferin mit Bastkorb und rotkarierter Schürze kommt ans Autofenster. Ich steige aus und wähle eine kleine Tüte von ihren orangeleuchtenden, scharfgewürzten Flusskrebsen, die Jamaikaner auch Janga nennen. Als ich sie nach ihrem Namen frage und um ein Foto bitte, strahlt sie mich an: „Patricia mi njiem.“ Während ich sie fotografiere, machen wir einen kleinen Smalltalk, die üblichen Fragen nach dem Wer-Woher-Wohin. Ich bedanke mich beim Abschied und will wieder zurück zum Auto, Patricia ruft mir noch „Hey pass auf mit den Autos hier und gute Reise!“ nach.

Wieder unterwegs pule ich die Peppershrimps, Lars ist ja nicht so wild auf Krustentiere. Wir fahren durch die Bamboo Avenue, durch deren grünes Dach die Sonne ihre Strahlen schickt und so ein stimmungsvolles Licht schafft. Unter der Woche bieten hier auch allerhand Verkäufer am Strassenrand z.B. Coconut Jelly und andere Roadside-Snacks feil. Über die A2 führt unser Weg wieder zurück ans Meer. Im „Little Ochi“ am Alligator Pond soll es den „frischesten Fisch an der Südküste“ geben. Diese Behauptung ist wirklich nicht zuviel versprochen. Wir werden von Dennis empfangen, der uns aus einer grossen Kühltruhe unseren Lieblingsfisch wählen lässt, den er uns dann selbst wunschgemäss zubereitet.

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Während wir warten, fangen wir die Atmosphäre ein, beobachten die Locals beim Sonntagsvergnügen und schauen zu, wie Fischer ihren Tagesfang hier direkt am Strand verkaufen. Das „Little Ochi“ verteilt sich an einem Strandabschnitt des Alligator Pond über mehrere kleine Pavillions und Hütten, in denen man gemütlich sitzen und mit Blick aufs Meer auf die Bestellung warten kann. Nach etwa 25 Minuten serviert uns Dennis unseren Fisch: Fried Red Snapper Escovitch mit Steamed Bammy für mich und Jerked Fried Snapper mit Festivals für Lars. Das Besteck lassen wir links liegen, Dennis rät uns lächelnd, einfach die Finger zu benutzen, denn: „So schmeckt’s doch am Besten!“. Recht hat er! Es schmeckt fantastisch und das „Little Ochi“ als „Must visit“ zu empfehlen, ist nicht übertrieben.

See you later, Alligator!

Gestärkt fahren wir weiter zum Alligator Hole, wo wir dieses Mal weder Krokodile noch Manatees gucken wollen, sondern dem Wetlandranger Deacon einen kleinen Besuch abstatten wollen. Vom Alligator Pond rumpeln wir über die Küstenbuckelpiste zum Alligator Hole. Diesen Weg haben wir 2017 schon einmal in umgekehrter Richtung und in der Dämmerung bewältigen müssen. Es ist echt eine der schlechtesten Strassen, die uns auf Jamaika unter die Räder gekommen ist und nur durch den RAV 4 unter unseren Hintern erträglich zu bewältigen. Diese Strasse hat schon einige Reifen, Auspuffs und andere Autoteile auf dem Gewissen, aber die Kulisse und die Aussichten, die man ab und zu auf die Long Bay erhaschen kann sind wunderschön. In der Mitte liegt die Badestelle am Gut River. Eigentlich wollten wir uns diesen Platz, wo viele Locals picknicken und sich erfrischen, auch mal ansehen. Doch wir haben ihn schlichtweg einfach verpasst.

Am Alligator Hole ist alles wie damals: Hühner und Katzen laufen einfach so an und auf der Strasse herum, es kommt ja kaum ein Auto. Dieses Mal sind wir aber nicht allein, ein Routetaxi samt wartendem Fahrer steht wartend am Eingang zum Alligator Hole. Wir parken am Rand und fragen den Taxifahrer nach Deacon. „Der ist gerade mit meinen Leuten auf Tour.“, gibt er Auskunft. Wir bitten ihn, ob er Deacon etwas geben könne und fragen ihn noch ein bisschen aus. Er fährt normalerweise in und um Kingston herum, aber mache auch öfter Charter-Touren. Oliver und wir tauschen unsere Visitenkarten aus, dann fahren wir weiter. Die Strecke von Alligator Hole über Milk River und Four Path nach Kingston ist wieder besser, die Gegend sehr ländlich. Die Ortschaften kann man an einer Hand abzählen.

Endlich wieder Kingston …

In Four Path geht’s wieder auf die T1, recht fix sind wir dann in Kingston, wo wir das Labrish Hostel auch schnell und gut finden. Wir drücken die Klingel am Tor des gut geschützten Geländes und ein Angestellter lässt uns ein. Das Auto sollen wir draussen stehen lassen. Eigentlich wäre im Hof neben dem Auto der Besitzerin noch Platz. Wir dürfen unser reserviertes Refugium anschauen und sind uns einig: für eine Nacht wird es gehen. Das Zweibettzimmer mit Küchenecke ist zwar sehr zweckmässig eingerichtet und ausgestattet, aber recht sauber und ausreichend gross.

Hmmm und jetzt? Es ist erst früher Abend, wir haben noch keinen Plan fürs Abendessen. Erstmal ein Red Stripe zum Abkühlen an der Aussenbar des Labrish Guesthouse, welches eigentlich ein Hostel ist. Dementsprechend besteht der Grossteil der anwesenden Gäste aus Männern, die sich kochend und/oder rauchend die Zeit vertreiben. Abends soll es nebenan eine Soundsystem-Party geben „… bis 3 Uhr morgens“, warnt man uns vor, als wir uns an der Bar noch ein Bier holen. Mit Blick auf den Pool vervollständige ich unsere Reisenotizen und checke unsere Social-Media-Kanäle.

Antje, die ich auch nur über Facebook kenne hat unter einem Post kommentiert, ob wir heute Abend in den Dub-Club gehen würden, sonntags ist Livemusik. Bis jetzt haben wir darüber noch nicht nachgedacht. Unsere Barschaft sollte auch dringend zuerst aufgefüllt werden. Wir entscheiden uns, doch zu gehen und hoffen, man kann im Dub-Club mit Karte zahlen. Ich schreibe Antje und frage, ob sie einen zuverlässigen Taxifahrer kennt. Sie hat sofort ein paar Nummern parat. Gegen 20 Uhr lassen wir uns abholen. Nach einigen Nachfragen hat der Fahrer dann unser Ziel verstanden und fährt uns für 2500 JMD durchs nächtlich beleuchtete Kingston dem viel gerühmten Dub-Club entgegen.
Oben angekommen schauen wir uns erstmal um.

In den Hügeln über Kingston – der legendäääre Dub Club

Wir haben keine Vorstellung von der Lokalität und was uns hier wirklich erwartet. Auch Antje kommt mit ihren Leuten im Taxi an, nimmt uns aber nicht wahr. Wir stiefeln mal hinterher, sie kennen sich hier sicher besser aus. Es geht ein paar steile und unbeleuchtete Stufen abwärts, dann kommt ein Kassenhäuschen an dem wir pro Person 700 JMD berappen sollen. Ein Schild verkündet, dass fotografieren und filmen nicht erlaubt seien. Weiter gehts abwärts, wir kommen an einer offenen Tanzfläche mit riesigen Boxen vorbei, aber es ist noch nix los, die Nacht ist noch zu jung. So entern wir erstmal das nächste Deck in Form einer offenen Holzveranda. Am ebenfalls hölzernen Barhäuschen holen wir uns ein Red Stripe und zahlen zwei vegetarische Patties.

Das Essen im Dub-Club ist veggie und i-tal, man bekommt es mit Marken im Cookshop. Die Getränkeauswahl scheint der anschwellenden Touristenwelle angepasst, es gibt auch Rum und andere Alkoholika. Nein, man könne hier nicht mit Karte zahlen. Wir legen uns fix das Geld für die Rückfahrt beiseite, schliesslich wollen wir hier oben nicht stranden.
Die Aussicht von den Hügeln über Kingston ist wirklich toll, die beleuchtete Stadt liegt uns wie ein Teppich aus glitzernden Lichtern zu Füssen. So langsam kriegen wir Hunger, wir gehen unsere Patties im Cookshop holen, gleich neben der Theke ist ein Souvenirshop mit Reggae-Artikeln. T-Shirts, CDs, Schmuck in grüngoldrot und vieles mehr.

Dub Club Aussicht.jpg

Zur falschen Zeit am falschen Ort

Wir nehmen lieber Erinnerungen mit und sind erstmal damit beschäftigt, einen Platz zu finden, wo wir unsere Patties essen können. An Antjes Tisch ist nichts mehr frei. Das eine oder andere bekannte Gesicht aus der deutschen Jamaika-Community nehmen wir unter den Anwesenden auch wahr. Wir finden noch zwei Plätze am Nachbartisch. Neben einem älteren Herren, der ein bisschen wie ein ungewolltes Weihnachtsmann-Double wirkt und der uns zwar nicht persönlich, aber doch nicht ganz unbekannt ist. Ich versichere mich bei ihm, ob meine erste Vermutung stimmt. Ja, es ist Josef, der scheinbar mit ein paar jungen Leuten auf Jamaikatour ist und den Dub-Club auf der To-Do-Liste hat. Doch weiter kommt man am Tisch nicht ins Gespräch. Josef ist mit seinem Handy beschäftigt, die jungen Leute mit ihrem gerade erworbenen Mitbringsel und alle gemeinsam mit Rumpunch und Tütchen.

Das Material fürs Tütchen bekommt man im Dub-Club alle Nase lang direkt angeboten. Jeder Verkäufer hat eine andere Sorte. Scheint hier wohl zum guten Ton zu gehören und ES stört uns auch nicht, wenn die Verkäufer zweimal nachhaken, ob wir wirklich nichts wollen. Möglicherweise hätte so ein Tütchen ja unsere Stimmung gefördert, die ein Mix aus Enttäuschung und Müdigkeit ist. Den legendääären Dub-Club, den man unbedingt besucht haben sollte, haben wir uns anders vorgestellt. Später hören wir übrigens von befreundeten Jamaika-Insidern, dass der Dub-Club auch nicht mehr das sei, was er mal war, seit er auch bei Touristen so beliebt ist.

Kingston Vibes

So machen wir uns auf den Heimweg und verabschieden uns von Antje, die schon die erste Tanzrunde hinter sich hat. Sie findet schade, dass wir schon gehen würden, wir hätten halt am falschen Tisch gesessen. Wir entschuldigen uns mit der langen Fahrt, die wir hinter uns haben und erwischen auch noch ein Taxi ins Hostel zurück. Wir sind fast abgebrannt, es reicht gerade noch für ein preiswertes Red Stripe, was wir uns teilen. Von Nachbars tönt ein netter Weltschnulzen-Reggae-Mix herüber.

Kingston Vibes – da tanzt sogar der Ventilator

Der ist lärmtechnisch momentan noch zu ertragen, steigert sich aber schnell. In unserer Unterkunft sind die Vibrationen der Soundsystem-Speaker so sehr spürbar, dass der Ventilator eiert. Alles vibriert … Als wir uns hinlegen, sogar das Laken. Bis um 3 Uhr morgens hat sich die Lautstärke ins Unermessliche gesteigert und die Musik ist jetzt nur noch mit DJ-Ansagen garnierter, völlig übersteuerter Krach. Geschlafen haben wir bis dahin sicher mal nicht. Ich war froh, wenigstens meine Sleep-Soft-Gehörschütze dabei zu haben und Lars ärgerte sich, dass er seinen angepassten Bau-Gehörschutz nicht mitgenommen hat. Um drei ist der Spuk wider Erwarten pünktlich vorbei. Über das anschliessende Klappern, was das Räumkommando verursacht, hören wir hinweg und dämmern jetzt doch irgendwie in einen halbschlafähnlichen Zustand.

KINGSTON.

 

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Kategorien:Woche II - 17.03.2019 - 23.03.2019 - von Kingston bis Ocho Rios

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