Port Royal / Fort Charles * Kingston


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Spätestens seit Jack Sparrow und «Fluch der Karibik» ist Port Royal auf Jamaika, welches sich auf einer Landzunge in einer Bucht vor Kingston versteckt, als „Piratennest“ bekannt. Allein die Wortkombination «Piraten – Karibik – Port Royal» lässt die Fantasie erblühen und macht neugierig auf die Stadt, die zu ihren Glanzzeiten eine der reichsten Städte der Welt gewesen sein soll. Was jedoch von der ganzen Pracht nach mehreren Erdbeben, Flutwellen, Feuern und Hurricans übrig geblieben ist, wird der Betrachter gedanklich kaum mit dem Reichtum von damals verknüpfen.

Wie kommt man nach Port Royal auf Jamaika?

Am authentischsten natürlich wie die Piraten auf dem Wasserweg. Am Hafen in Kingston soll es Fischer geben, die für 2500 JMD p.P. nach Port Royal oder Lime Key und zurück übersetzen. Auf dem Landweg erreicht ihr das verschlafen scheinende Fischerdorf auf der Halbinsel «Palisadoes» über den Norman Manley Highway. Dieser beginnt südöstlich kurz vor Kingston und geht hinter dem Norman Manley International Airport in die Port Royal Main Road über. Unterwegs hat man wirklich schöne Aussichten auf Kingston, Bull Bay und Hellshire. Natürlich auch auf das türkisblaue Meer mit den vorgelagerten Inselchen wie Lime Cay oder Maiden Cay. Eine Fährverbindung von Kingston, die es mal gab, wurde leider eingestellt. Die Buslinie 98 verbindet Port Royal mit dem Festland, eine Fahrt aus Kingston kostet um 120 JMD p.P.

Perfekter Stützpunkt inmitten der Karibik – Fort Charles

Schon die Tainos nutzten die sandige Landzunge als Lagerplatz auf ihren Fischzügen und die Spanier reparierten später in der geschützen Bucht ihre Schiffe. Als die Briten 1655 Jamaika von den Spaniern eroberten, wurde ihnen sofort die strategische Bedeutung von Port Royal klar und sie begannen mehrere Festungsanlagen zu errichten. Das Fort Charles wurde 1656, damals noch als Fort Cromwell, errichtet und ist heute als Freiluft- Museum zugänglich. (Eintritt ohne Führung für Erwachsene 10 USD). Das kleine aber interessante Maritime Museum auf dem Gelände zeigt Geschirr, Werkzeug und andere Alltagsgegenstände, die aus dem beim Erdbeben 1692 versunkenen Teil der Stadt von Archäologen geborgen wurden. Auch Schiffsmodelle und ein Modell Port Royals vor dem Beben 1692 sind zu bestaunen. Eine kleine Taverne und ein Souvenirshop runden das touristische Ensemble ab.

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Sehenswert sind die beim Erdbeben 1907 aus der Verankerung gerissene „Victoria & Albert Battery“. Im wahrsten Sinne „ein bisschen schräg“ ist das «Giddy-House». Das ehemalige Waffenlager versank beim selben Erdbeben teilweise im Boden. Lord Horatio Nelson – einer der größten Helden Großbritanniens – wurde 1779 zum Captain befördert. Der junge, ambitionierte Nelson übernahm im Fort Charles die Verantwortung für 500 Männer. Er nahm seine Position ernst und war besorgt, dass die Insel nicht stark genug sei, um sich gegen einen gut organisierten Angriff zu verteidigen. Auf einer hölzernen Plattform an der Südseite des Forts ging er stundenlang auf und ab. Nelson beobachtete das Meer, seinen Blick hatte er auf eventuelle feindliche Schiffe gerichtet. Diese Plattform ist jetzt als Nelsons Achterdeck bekannt. Captain Horatio Nelson wird dort mit einer Gedenktafel geehrt. 

A Pirates live – Piratenleben in Port Royal

Die geschützte Lage von Port Royal machten sich allerdings auch die «Freibeuter der Meere» zunutze. Dies wirkte sich schnell positiv auf die Entwicklung und den Wohlstand Port Royals aus und zog auch andere Glückssucher an. So wurde aus Port Royal «the wickedest city on earth”. Wobei man “wicked” sowohl mit “böse”, als auch mit «lasterhaft, sündhaft» oder «gottlos» übersetzen könnte. In den Glanzzeiten Port Royals lebten hier schätzungsweise bis zu 8000 Menschen. Es war zeitweise die inoffizielle Hauptstadt von Jamaika und auch DAS Hauptquartier für Piraten. Einen großen Teil der Beute, die sie spanischen Handelsschiffen abgejagt hatten, verprassten sie in Port Royal.

Einer der geschicktesten und erfolgreichsten unter ihnen war Henry Morgan, der später sogar zum Ritter geschlagen wurde. Seit 1674 die Freibeuterei verboten wurde, setzte er als SIR Henry Morgan und neu ernannter Vizegouverneur von Jamaika die Politik der Engländer auf Jamaika durch. Vom Saulus zum Paulus sagt man da wohl. Wie ihm dieses Kunststück gelang, ist bis heute nicht eindeutig belegt. Belegt jedoch ist, dass er 1688 in Port Royal starb und mittlerweile wohl auf dem Meeresboden ruht.

 

Der Niedergang Port Royals begann 1692, als am 7. Juni um 11:43 ein schweres Erdbeben die sandige Landzunge erschütterte. Die verheerende Flutwelle liess zwei Drittel der Stadt im Ozean versinken und riss den ganzen Reichtum mit sich. Etwa 3000 Einwohner starben beim Erdbeben oder in der Folge an Seuchen. Port Royal hat sich davon nie wieder wirklich erholt. die Auswirkungen von Erdbeben und Feuern in den nachfolgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten veränderten das Stadtbild.

Noch mehr Tipps für Port Royal auf Jamaika

In Port Royal kann man noch einige andere restaurierte oder wieder aufgebaute historische Stätten finden. Beispielsweise die St. Peters Church, die 1692 gesunken sein soll. Sie wurde von vielen Piraten besucht, die wahrscheinlich eine Menge zu beichten hatten. Henry Morgan soll der Kirche ein silbernes Kommunions-Service mit Bechern und Schalen gestiftet haben, welches aus seinen Raubzügen in Mittel- und Südamerika stammt. Andere sehenswerte Gebäude sollen ein altes Gefängnis sein, das jetzt eine Apotheke beherbergt. Das alte Marinekrankenhaus „Old Naval Hospital“ wirkte 2018 von aussen nicht sehr einladend, wir verzichten auf einen Besuch. Empfohlen werden auch noch die historische McFarlane’s Tavern und das «Gloria’s» in der Queen’s Street, welches uns gut besucht zu sein schien. 

Um Port Royal herum

Am Hafen versuchen Fischer euch mit der Frage «To Lime Cay?» zu einer Bootfahrt inclusive Beachfeeling auf einer «einsamen Insel» zu überzeugen. Die ist allerdings an Wochenenden gar nicht mehr allzu einsam. Wir empfehlen, genug Proviant und Getränke mitzunehmen! Es gibt keine sanitären Anlagen auf der Insel. Auf der Strecke nach / von Port Royal liegen noch diverse unspektakuläre, aber spannende Sehenswürdigkeiten, wie das ein bisschen abgerockte „Fort Rocky“ oder der alte Marinefriedhof. Den Plumb Point Leuchtturm kann man leider nur von Weitem bestaunen. 

Unser Eindruck von Port Royal ansich war 2018 ernüchternd. Auf uns wirkte der Ort ein bisschen heruntergekommen und wenig belebt. Wir wurden oft angebettelt. Es gab viele streunende Hunde und Kot auf der Strasse, was für Jamaika nicht ungewöhnlich ist, uns hier aber besonders auffiel. Möglicherweise hatten wir den falschen Tag erwischt, denn wir waren an einem Sonntag dort. Das war zwar gut im Fort Charles, weil dort wenig andere Besucher waren. Aber in der Stadt hat man kaum Touristen gesehen, weswegen womöglich wir in aller Leuts Fokus standen. Wer hier den auf vielen Reiseportalen angepriesene Piraten-Charme a la Fluch der Karibik erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht werden. Trotzdem denken wir, dass Port Royal einen Besuch wert ist. Wer weiss – vielleicht kommt ja bei euch Piratenfeeling auf?

Anmerkung im März 2020: Mittlerweile hat sich Port Royal durch einen schwimmenden Pier zum Kreuzfahrthafen gemausert, wird allerdings noch nicht oft angefahren. Wir sind trotzdem gespannt, wie sich das auf die Entwicklung von Port Royal auswirkt und ob es wieder bessere Zeiten sehen wird.

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1 Kommentar

  1. Oh I haven’t been there in so long.. except to Gloria’s just for the seafood. Hope you enjoyed the food!

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