P wie Piraten ODER der Fluch der Karibik in Port Royal


Spätestens seit Jack Sparrow und «Fluch der Karibik» ist Port Royal auf Jamaika als „Piratennest“ bekannt, welches sich auf einer Landzunge in einer Bucht vor Kingston versteckt. Allein die Wortkombination «Piraten- Karibik- Port Royal» lässt die Fantasie erblühen und macht neugierig auf die Stadt, die zu ihren Glanzzeiten eine der reichsten Städte der Welt gewesen sein soll. Was jedoch von der ganzen Pracht nach mehreren Erdbeben, Flutwellen, Feuern und Hurricans übrig geblieben ist, wird der Betrachter gedanklich kaum mit dem Reichtum von damals verknüpfen.

Man erreicht das heute verschlafen scheinende Fischerdorf auf der Halbinsel «Palisadoes» über den Norman Manley Highway, der südöstlich kurz vor Kingston beginnt und hinter dem Norman Manley International Airport in die Port Royal Main Road übergeht. Unterwegs hat man wirklich schöne Aussichten auf Kingston, Bull Bay, Hellshire und natürlich auf das türkisblaue Meer mit den vorgelagerten Inselchen wie Lime Cay oder Maiden Cay. An der Strecke liegen linkerhand der Leuchtturm «Plumb Point Lighthouse» und das verlassene Fort Rocky, rechterhand ein alter Marinefriedhof. Eine Fährverbindung von Kingston, die es mal gab, wurde leider eingestellt, es gibt aber eine Busverbindung.

Perfekter Stützpunkt inmitten der Karibik

Schon die Tainos nutzten die sandige Landzunge als Lagerplatz auf ihren Fischzügen und die Spanier reparierten später in der geschützen Bucht ihre Schiffe. Als die Briten 1655 Jamaika von den Spaniern eroberten, wurde ihnen sofort die strategische Bedeutung von Port Royal klar und sie begannen Festungsanlagen zu errichten. Das Fort Charles wurde 1656, damals noch als Fort Cromwell, errichtet und ist heute als Freiluft- Museum zugänglich. (Eintritt ohne Führung für Erwachsene 10 USD). Das kleine aber interessante Maritime Museum auf dem Gelände zeigt Geschirr, Werkzeug und andere Alltagsgegenstände, die aus dem beim Erdbeben 1692 versunkenen Teil der Stadt von Archäologen geborgen wurden. Auch Schiffsmodelle und ein Modell Port Royals vor dem Beben 1692 sind zu bestaunen. Eine kleine Taverne und ein Souvenirshop runden das touristische Ensemble ab.

Nelsons Quarterdeck Port Royal

Sehenswert sind die beim Erdbeben 1907 aus der Verankerung gerissene „Victoria & Albert Battery“ und das «Giddy-House», ein ehemaliges Waffenlager, welches beim selben Erdbeben teilweise im Boden versank und seither schräg steht. Lord Horatio Nelson, einer der größten Helden Großbritanniens, wurde 1779 zum Captain befördert und übernahm im Fort Charles die Verantwortung für 500 Männer. Der junge, ambitionierte Nelson nahm seine Position ernst und war besorgt, dass die Insel nicht stark genug sei, um sich gegen einen gut organisierten Angriff zu verteidigen. Auf einer hölzernen Plattform an der Südseite des Forts ging er stundenlang auf uns ab und beobachtete das Meer, seinen Blick auf eventuelle feindliche Schiffe gerichtet. Diese Plattform ist jetzt als Nelsons Achterdeck bekannt und Captain Horatio Nelson wird dort mit einer Gedenktafel geehrt. 

A Pirates live- Piratenleben in Port Royal

Die geschützte Lage von Port Royal machten sich allerdings auch die «Freibeuter der Meere» zunutze, was sich schnell positiv auf die Entwicklung und den Wohlstand Port Royals auswirkte und auch andere Glückssucher anzog. So wurde aus Port Royal «the wickedest city on earth”- wobei man “wicked” sowohl mit “böse”, als auch mit «lasterhaft, sündhaft» oder «gottlos» übersetzen könnte. In den Glanzzeiten Port Royals lebten hier schätzungsweise bis zu 8000 Menschen, es war zeitweise die inoffizielle Hauptstadt von Jamaika und auch DAS Hauptquartier für Piraten, die einen großen Teil der Beute hier verprassten, die sie spanischen Handelsschiffen abgejagt hatten. Einer der geschicktesten und erfolgreichsten unter ihnen war Henry Morgan, der sogar zum Ritter geschlagen wurde. Seit 1674 die Freibeuterei verboten wurde, setzte er als SIR Henry Morgan und neu ernannter Vizegouverneur von Jamaika die Politik der Engländer auf Jamaika durch. Vom Saulus zum Paulus sagt man da wohl. Wie ihm dieses Kunststück gelang, ist bis heute nicht eindeutig belegt. Belegt jedoch ist, dass er 1688 in Port Royal starb und mittlerweile wohl auf dem Meeresboden ruht.

Port Royal Jamaika

Küstenlinie Port Royal 1692

Der Niedergang Port Royals begann 1692, als am 7. Juni um 11:43 ein schweres Erdbeben die sandige Landzunge erschütterte und die nachfolgende Flutwelle zwei Drittel der Stadt im Ozean versinken liess und den ganzen Reichtum mit sich riss. Etwa 3000 Einwohner starben beim Erdbeben oder in der Folge an Seuchen. Port Royal hat sich davon nie wieder erholt und auch die Auswirkungen von Erdbeben und Feuern in den nachfolgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten veränderten das Stadtbild.

Piratenfeeling -Fehlanzeige

In Port Royal kann man jedoch trotz allem noch einige historische Stätten finden, die restauriert oder wieder aufgebaut wurden. Beispielsweise die Kirche St. Peters Church, die 1692 gesunken sein soll. Sie wurde von vielen Piraten besucht, wahrscheinlich hatten die viel zu beichten. Henry Morgan soll der Kirche ein silbernes Kommunions-Service mit Bechern und Schalen gestiftet haben, welches aus seinen Raubzügen in Mittel-und Südamerika stammt. Andere sehenswerte Gebäude sollen ein altes Gefängnis sein, das jetzt eine Apotheke beherbergt. Das alte Marinekrankenhaus wirkte von aussen nicht sehr einladend, wir verzichten auf einen Besuch. Empfohlen werden auch noch die historische Mc Farlanes Tavern und das «Gloria’s» in der Queen’s Street, welches uns gut besucht zu sein schien. Am Hafen versuchten Fischer mit der Frage «To Lime Cay?» mehr oder weniger motiviert ein Geschäft mit uns zu machen, aber wir hatten keine Lust auf Beachfeeling auf einer «einsamen Insel» und wollten eigentlich nur weg.

Unser Eindruck von Port Royal ansich ist ernüchternd. Auf uns wirkte der Ort heruntergekommen und wenig belebt und wir wurden oft angebettelt. Es gibt viele streunende Hunde und Kot auf der Strasse, was für Jamaika nicht ungewöhnlich ist, uns hier aber besonders auffiel. Möglicherweise hatten wir den falschen Tag erwischt, denn wir waren an einem Sonntag dort. Das war zwar gut im Fort Charles, denn es waren dort wenig andere Besucher, aber in der Stadt hat man kaum Touristen gesehen, weswegen wir womöglich in allerleuts Fokus standen.Wer hier den auf vielen Reiseportalen angepriesene Piraten-Charme a la Fluch der Karibik erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht werden. Trotzdem denken wir, dass Port Royal einen Besuch wert ist.
Wer weiss- vielleicht kommt ja bei euch Piratenfeeling auf?

Mitreisen könnt ihr übrigens auch hier:

Unsere Facebook-Seite – die offizielle FB- Seite von „Touchin‘ Jamaica“

Unsere Facebook-Gruppe – zum Austausch mit anderen Jamaika-Reisenden
und Jamaika- Fans

 

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1 Kommentar

  1. Oh I haven’t been there in so long.. except to Gloria’s just for the seafood. Hope you enjoyed the food!

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