Das Bob Marley Mausoleum in Nine Miles


Lesezeit: 5 Minuten

Bei den „echten“ Bob Marley-Fans war das Bob Marley Mausoleum bereits vor Jahren als als viel zu kommerziell verschrien. Immerhin wurde 1945 der erste Musikstar der dritten Welt hier geboren und soll 1981 hier ebenso seine letzte Ruhe gefunden haben. Wir besuchten Nine Miles zwischen 2013 und 2021 fünf Mal und nahmen in dieser Zeit die immer rasanter fortschreitende Metamorphose des Bob Marley Mausoleums von einem spirituellen Ort zu einem amerikanisierten Bob-Marley-Wunderland wahr.

Unser letzter Besuch 2021 wird endgültig unser letzter gewesen sein, denn es gibt in Jamaika spannendere Orte, um dem Spirit des berühmten Reggaekünstlers Bob Marley nachzuspüren. Man kann sicher herrlich wild spekulieren, ob nicht nur der Geist, sondern auch die sterblichen Überreste von Bob sich noch auf dem Mount Zion befinden. Für echte Fans ist ein Besuch im Bob Marley Mausoleum kein Muss mehr. Trotzdem denken wir, jeder sollte sich selbst ein Bild davon machen dürfen, wenigstens ein einziges Mal. 

Wie kommt man nach Nine Mile zum Bob Marley Mausoleum?

Der Weg zum Mount Zion führt durch die Hügel von St.Ann über holprige Strassen, Google Maps weist euch zuverlässig die Strecke. Von Ocho Rios aus erreicht man Nine Mile in ca. 1.5 Stunden am besten über die A3 in Richtung Colgate, biegt dann in Golden Grove auf die A1 ab und verlässt diese in Claremont wieder in Richtung Alderton/Alexandria. Von Runaway Bay aus folgt man immer der B3, zunächst in richtung Browns Town. Hier kann man einen Zwischenstopp einplanen und den grossen Bauernmarkt besuchen, wo man allerhand landwirtschaftliche Produkte, wie Obst, Gemüse, Fleisch sowie Kleidung und Haushaltwaren erwerben kann. Sehenswert sind ausserdem noch die Anglikanische Kirche, die Tabernacle Church sowie das Courtyard House. Diese Streckenalternative dauert etwa 1 1/4 Stunden.

Für die preiswertere Anreise in Route Taxis sollte man etwas mehr Zeit einplanen, da man umsteigen und manchmal länger auf ein Anschluss-Routetaxi warten muss. Die Strecke von Ocho Rios aus im Routetaxi geht über Browns Town bis Alexandria, wo man nach Nine Mile umsteigt.

In Nine Mile angekommen ist die erste Herausforderung, diversen „Angeboten“ geschäftstüchtiger Jamaikaner zu widerstehen – es sei denn euch interessieren Ganja-Touren. Falls nicht, begebt euch besser sofort zum blauen Tor des Bob Marley Mausoleums. Lasst euch auch nicht einreden, ihr müsst draussen parken, weil der Parkplatz voll sei. Drinnen gibt es wirklich reichlich Parkplätze.

Auf den Spuren von Bob Marley – Jamaikas erstem Reggae-Weltstar

Der Eintritt für die Tour kostet mittlerweile 30 USD, früher bezahlte man die im Vorhof an einem Kassenhäuschen. Mittlerweile wurde für den Ticketkauf eine Schalterhalle geschaffen, die bei unserem letzten Besuch 2021 noch nicht geöffnet war. Wir bezahlten drinnen im Souvenirshop. Die neu erbauten Shops im Vorhof werden sicher auch geöffnet sein, sobald wieder Touristenmassen nach Nine Miles einfallen.

Zur Tour geht man ein paar Treppenstufen hinauf, wo sich eine Bar-Lounge befindet, in der man eventuelle Wartezeiten z. B. mit einem  brennenden „Bob Marley-Shot“ oder einen Red Stripe überbrücken kann. Von dort aus hat man eine schöne Aussicht über die hügelige Landschaft und die Gemeinde Nine Mile. Wenn dann der Guide seine geforderte „Truppenstärke“ (wir haben nie nachgezählt, wie viele) beisammen hat, geht’s los. 2021 waren wir sogar nur zu Zweit mit Guide Keito unterwegs, während der Pandemie verirrten sich kaum Touristen zum Bob Marley Mausoleum.

Verschlimmbessert – die Tour zum Bob Marley Mausoleum

Bei unseren ersten 3 Besuchen ging es zunächst in einen Raum, in dem alle möglichen Devotionalien, Auszeichnungen, Gold- und Platin- Schallplatten, usw. ausgestellt waren. Hier durfte man auch fotografieren. 2021 war dieser Raum in ein Restaurant umgewandelt worden, die Platten und Ausstellungsstücke, wie z.B Instrumente sind fast komplett verschwunden. Was wir sehr schade finden. Bei unseren letzten Besuchen in Nine Miles 2017 und 2021 begann die Tour im „Haus der Grosseltern“ oder besser gesagt eine Art räumlichem Nachbau davon. Dieser ist mit Ausstellungsstücken aus dem „Alltag“ von Oma und Opa Marley bestückt und nicht für jeden Besucher gleich interessant.

Im Innenhof wird man dann musikalisch auf den Aufstieg zum Mount Zion eingestimmt. Die charmante Altherren-Mento-Band, die hier bis 2019 noch trommelnd und singend unterstützt vom jeweiligen Tourguide Marley- Songs zum Besten gab, wurde ersetzt von jungen Männern an elektronischen Instrumenten. Meist wird die Band stimmkräftig vom mehr oder weniger textsicherem Publikum begleitet. Natürlich erwarten die Jungs ein kleines Trinkgeld.

„I wanna love you- and treat you right“

Die nächste Tour-Etappe beginnt mit dem Eintritt durch ein Tor, welches den eigentlichen Mount Zion davor bewahren soll, von Touristenhorden erstürmt zu werden. Singend und Geschichten über die Marleys erzählend, führt der Guide über das Gelände und zum Häuschen, in dem Cedella mit Bob und dieser dann später mit Rita eine Weile lebte. Später verbrachte hier Bob mit diversen Geliebten gern ungestört Zeit. Wie im „echten“ Leben kommt auch hier immer wieder mal andere Deko hinzu, das Bett wird anders bezogen oder gar umgestellt. Anfassen oder Draufsetzen ist – natürlich aus Sicherheitsgründen 😉 – nicht erlaubt. Immerhin sagt man diesem Bett fruchtbarkeitsfördernde Kräfte nach, wie die Guides grinsend erzählen.

Neben dem Haus liegt ein riesiger, in panafrikanischen Farben bemalter Stein einbetoniert- wahrscheinlich damit ihn niemand mitnimmt. Hier stimmt der Guide eine Zeile aus „Talking Blues“ an: „Cold ground was my bed last night …“ Auf dem Mount Zion fand Bob Marley oft die nötige Inspiration zum Texten.

In einer Ecke konnte man früher noch die Outdoorküche bewundern. Eine ehemalige einfache Feuerstelle aus bemalten- Steinen mit einem obendrauf gestellten Topf, in dem eine Marihuanapflanze wächst. „The pot in the pot“ witzelten die Guides dazumal. Heute steht an dieser Stelle Teneals Kräutertee-Büdchen, wo man Tee mit und ohne Marihuana kaufen kann und Letzteres auch in jeglich erdenklicher Form. Der Kräutertee „ohne“ für 500 JMD war übrigens ganz lecker.

Absolutes Fotoverbot und „Schuhe aus!“

… heisst es im Mausoleum, in dem Bob Marley mit seiner Gibson les Paul, einem Fussball und einer Marihuanapflanze in einem Marmorsakopharg bestattet sein soll. Der Rand ist mit diversen Abschiedsgrüssen von Bob-Marley-Fans geschmückt. Ebenfalls in einem weiteren Mausoleum nebenan ist Bobs Mutter Cedella Marley-Booker gemeinsam mit ihrem Sohn Anthony bestattet, der erst 19jährig von einem Polizisten in Miami erschossen wurde. In einer kleinen Kapelle, die auch erst in den letzten Jahren entstand, kann man – wenn man möchte -die Gefühle und Eindrücke kurz sacken lassen.

Souvenirs aus dem Bob Marley Mausoleum in Jamaika

Die Tour läuft nicht immer gleich ab, manchmal geht es auch zuerst ins Mausoleum, je nachdem, ob auch noch andere Tourgruppen unterwegs sind. Das ist es dann im Groben schon gewesen, am Tor zum Innenhof verabschiedet sich der Guide und freut sich über ein Trinkgeld. Nun könnte man sich im Restaurant (falls geöffnet) stärken, was ebenfalls vom Innenhof erreichbar ist oder im Souvenirshop umherschlendern. Hier können Marley-Jünger prima ihre Fangarderobe mit den angebotenen Merchandisingartikeln auffrischen. Auch Kreuzfahrtler werden hier mit dem Angebot an inseltypischen Mitbringseln glücklich. Jamaika-Rum und Blue Mountain Coffee bekommt man ebenso, wie Flip-Flops und Kühlschrankmagneten „Jamaican style“.

Während der Jahre hat sich für uns die fast spirituelle Aniehungskraft, die Bob Marleys Geburtsort auf uns und unsere Begleiter ausübte, merklich abgeschwächt. Auch Beschreibungen anderer Reisender bestätigen unseren Eindruck. Einige deutschsprachige Tourunternehmen haben das Bob Marley Mausoleum in Nine Miles schon aus ihrem Angebot genommen. Wie eingangs erwähnt, werden auch wir das Bob Marley Mausoleum wahrscheinlich nicht noch mal besuchen.

Wenn ihr noch mehr Lebens-und Wirkungstätten von einem der berühmtesten Söhne Jamaikas besuchen wollt, kommt doch einfach mit nach:

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