07. und 08.Februar 2017 * Treasure Beach und Black River


07. Februar 2017 – Tolle Strände und Tierische Begegnungen

Nach einer letzten Dusche und einem Kaffee auf der Terrasse unseres gemieteten Appartements in Kingston wollen wir endlich zu unserem nächsten Ziel, Treasure Beach, aufbrechen. Leider verzögert sich unser Aufbruch durch die Unzuverlässigkeit des Angestellten, der uns den Schlüssel abnehmen sollte. Erst verschob er den Übergabetermin auf eine spätere Uhrzeit, als zuerst abgemacht und dann kam er ewig nicht. Und nein- es war kein Jamaikaner, denen man sowas gern nachsagt! Wir sassen auf Kohlen und auf unsere Nachfrage, wo er denn bliebe, meinte er, wir können den Schlüssel auch dem Hausmeister abgeben, der irgendwo zu finden wäre. Super, wenn man so aufgehalten wird, obwohl man noch eine längere Strecke vor sich hat, an der viele interessante Stopps liegen. Doch dann kann es endlich losgehen. Nach einem Zwischenhalt bei der Post und einem Sandwich bei Subways (auch mein erstes ever) verliessen wir Kingston in westlicher Richtung auf dem Mandela Highway und versprachen: Kingston, wir kommen wieder!

Kingston Strand

Unsere Tourplanung sah ursprünglich vor, dass wir entweder einen Abstecher nach Spanisch Town machen oder aber in Hellshire die „Two Sisters Caves“ besuchen wollten. Auf Jamaika gibt es aufgrund seiner geologischen Beschaffenheit aus Kalksandstein und dessen Verkarstung viele Höhlen. Wir entschieden uns für Hellshire, weil wir auch Sehnsucht nach dem Meer hatten und bogen von der T1 in Richtung Portmore ab, welches wir nur streiften und am Waves Beach auf die Küste stiessen. Endlich wieder Meeresrauschen! Erfreut parkten wir unser Auto und schauten uns am schönen, weissandigen Waves Beach um, wo es am Wochenende sicher nur so von erholungswütigen Kingstoniern wimmeln musste. Heute war hier wenig los und wir genossen es, die Zehen ganz tief in den Sand zu graben und die Meeresbrandung. Schade, dass wir nicht mehr Zeit hatten, es gibt hier sogar ein Seafood-Restaurant. Wir verfluchen nochmal den Angestellten, der uns die Zeit gestohlen hatte und fuhren weiter an der schönen Küste der Hellshire Bay. Die „Two Sisters Caves“ waren recht gut zu finden, leider aber verkündete ein Schild, dass sie geschlossen und nur reservierten Gruppen ab 50 Personen ein Besuch vergönnt sei. Wäre zu schön gewesen, wenn das auf ihrer Facebookseite kommunziert worden wäre oder man mir wenigstens auf meine FB-Message geantwortet hätte, die ich Wochen vorher geschickt hatte. Also wieder nix mit unserem schönen Plan. Immerhin ist wenigstens die Aussicht den Umweg wert gewesen.

Aber das kennen wir ja schon und machen uns mit einem enttäuschten Schulterzucken auf nach Salt River, dem nächsten Streckenpunkt. Dazu mussten wir wieder an Portmore vorbei auf die T1, von der wir in Old Harbour in Richtung Free Town wieder abbogen. Durch ländliches Gebiet holperten wir nun durch das, was der Jamaikaner gerne „den Busch“ nennt. Uns sind bereits die Pflanzen am Strassenrand aufgefallen, die weisse, puschelige Bäuschchen tragen. Bei einem Pipistopp stellen wir fest, dass es tatsächlich Baumwolle ist. Schon die Erstbesiedler Jamaikas, die Tainos, haben diese genutzt. Wir lassen dann Salt River hinter uns, um über die Salt River Road, Race Course und Springfield nach Milk River zu gelangen. Dort gibt es ebenfalls ein Heilbad, welches beliebter zu sein scheint, als das in Bath. Trotzdem gönnen wir ihm nur einen Blick im Vorbeifahren, denn uns lockt mal wieder ein Strand, den wir auf der Karte gesehen haben. Und so entdecken wir per Zufall einen der beliebten Fischerstrände der Südküste, wo man fangfrischen Fisch erwerben oder sich gleich zubereiten lassen kann. Doch dieses Angebot schlagen wir aus. Der dunkle, nicht sehr grosse Strand mit den bunten Fischerbooten ist sehr malerisch. Wir spazieren ein wenig am Meeressaum entlang, atmen die salzige Luft und halten nach Muscheln und Fundstücken Ausschau. Tatsächlich fällt mir etwas Unbekanntes in die Hände. Es ist eine Art flache Kalkschale voller dunklem Sand, die fast sofort in der Hand zerbröselt. Ich finde noch eine halbe, die ich vorsichtig mitnehme. Leider versäumen wir, die Fischer zu fragen, was das ist und bevor ich Fotos machen kann, ist auch die halbe Schale auf dem Rest unserer Tour zerbröselt. Durch Zufall fand ich viel später heraus, dass ich einen „Sand Dollar“, das Skelett einer Seeigel-Art gefunden habe.

Unser Tagesziel Treasure Beach ist schon fast in Reichweite, es steht nur noch ein Punkt auf dem Tagesplan: Alligator Hole. Wir haben gelesen, dass man hier die Canoe Valley Wetlands per Kanu entdecken und dabei sogar Alligatoren und wenn man Glück hat, sogar einem Manatee ganz nahe kommen kann. Also stoppen wir auch dort, parken schüchtern am Strassenrand und schauen uns um. Ausser ein paar Hühnern scheint das niemanden zu interessieren. Bis dann doch ein Mann in Gummistiefeln aus einer der gegenüberliegenden Hütten kommt und fragt, ob wir die Ausstellung ansehen wollen. Wollen wir! Als wir ihn fragen, ob er auch mit uns eine Kanutour machen würde, freut er sich und meinte, es dauere so 45 Minuten. Okay, das ist uns die Sache wert, auch wenn wir spät dran sind. Er hilft uns in ein kleines Boot und wir bestaunen mal wieder das glasklare Wasser, was man in einem „Wetland“ nicht erwarten würde. Wir sehen ein paar Vögel und auch ein paar Echsen auf der Flucht. Ausser einem süssen Babykrokodilchen war aber keins vor die Linse zu kriegen. Die Fahrt mit Wetland-Ranger Decon war wegen der Ruhe und der Natur und dem faszinierenden kristallklaren Wasser trotzdem schön. Auf dem Rückweg schiebt sich dann plötzlich ein hellgraues, riesiges torpedoförmiges Wesen unter unserem Canoe durch das Wasser. „Ein Manatee!“ flüstert Deacon ehrfurchtsvoll und auch wir kriegen eine Gänsehaut beim Anblick dieses Wesens, welches grösser ist, als unser Kanu. Diese friedvollen Meeresbewohner werden bis zu 5 m lang und ernähren sich von den Wasserpflanzen, die dort wachsen. Leider sind die Karibischen Seekühe hier aus Futtermangel seltener geworden, sie fressen mehr, als auf die Schnelle nachwachsen kann.

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Wir fühlen uns beschenkt von Mutter Natur und fahren so dem Sonnenuntergang über eine der schlechtesten Strassen entgegen, die wir jemals unter unseren Allerwertesten spürten. Links der Sumpf und rechts die felsigen Ausläufer der Santa Cruz Mountains. Vor uns nur einen mit Fässern beladenen Pickup, der uns den Weg freihupte und die Sonne, welche uns blendete. Als wir den Pickup endlich überholen konnten, tat sich bald ein weiteres Hindernis auf: Wiedermal eine Ziegenherde die die Strasse blockierte. Und ein Toyota, der unablässig hupte. SO arbeitet der moderne jamaikanische Ziegenpeter heute! Im Dunkeln landen wir endlich in Treasure Beach und nach einiger Suche (die GPS- Daten bei Booking com stimmten mal wieder nicht) und mehrmaliger Telefoniererei mit unserem Gastgeber Paul fanden wir auch das Welcoming Vibes. Dort bezogen wir unser „De Luxe-Zimmer“ und liessen uns noch den Rest unseres Subway- Sandwiches schmecken. Bei einem Red Stripe aus unserer Kühlbox mit Blick über die Lichter von Treasure Beach von der offenen Terrasse aus, lassen wir diesen anstrengenden aber interessanten Tag ausklingen.

08. Februar 2017 –  Frühstück bei Gaby, Never smile at a crocodile
und Seafood zum Sonnenuntergang

Für die rumpelige Nachtfahrt werden wir am nächsten Morgen durch das wahnsinnige Meerespanorama entschädigt, welches wir zum ersten Morgenkaffee geniessen und uns dann bereits wieder ins Auto schwingen. Ausserhalb der wenigen Hotels bieten die Unterkünfte kaum Frühstück an, aber wir wissen, wo es ein richtig leckeres Frühstück geben soll: Im „Hold A Vibz“- Cafè, welches sich in einem hübschen, luftigen Garten nicht weit von der Hauptstrasse befindet. Die Deutsche Gabriele Brown serviert eine tolle Auswahl von Smoothies, Salaten und Sandwiches mit hausgebackenem Brot und mehr. Alles wird frisch und lecker zubereitet und Gaby hat nebenher Zeit für einen kleinen Plausch. Sie ist auf der Suche nach einer Stellvertretung für diese Sommersaison und vielleicht für länger. So verlockend das klingt, wir sind leider unabkömmlich.

Meerblick Treasure Beach

Am Liebsten würden wir gerne noch bleiben, doch die Krokodile im Black River warten schon auf uns. Und Captain Teddy, den Paul telefonisch auf unsere Ankunft vorbereitet hat, weil er selbst die Tour trotz vorheriger Absprache nicht mit uns machen will. Wir finden auch rasch unseren Captain und er bietet uns noch eine Erfrischung in der Bar seiner „Tante“ an. Doch dann sind die Leute, die noch mit uns fahren sollen, endlich da und es geht los. Wir besteigen gemeinsam mit 3 älteren Amerikanern das schaukelnde, überdachte Boot. Teddy, der am Black River aufwuchs, schmiss sofort einen Reggae in die Boxen und wir fragten uns, ob das wirklich Krokodile anlocken sollte… Schräg gegenüber, wo sich eine Aufzuchtsstation befindet, sass ein grosses, welches aussah, wie extra hingestellt und uns über seine Echtheit rätseln liess. Unser Captain kennt sich mit Fauna und Flora bestens aus und erzählte viel Wissenswertes. Die Ami-Senioren packten derweil ihren Joint aus, den sie mit allen teilten, wir lehnten gewohnheitsmässig freundlich ab. Es gibt reichlich Krokodile zu sehen, eins liess sich von Teddy mit Hähnchenfleisch anlocken und kam recht nah und fotogen ans Boot, was eine der bekifften Ami-Omis dazu verführte aufzustehen, um Fotos zu machen. Sie hatte Glück und wurde selbst kein Krokodilfutter. Ausser Krokodilen kann man ausserdem Vögel sehen, z.B. Reiher, Seeadler uvm.

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Captain Teddy brachte uns, vorbei an einem „schwimmenden Seerosengarten“, zu „Rudies Place“ bei den Cheese Rocks, wo wir uns im Fluss erfrischen konnten. Lars ist sogar recht weit reingeschwommen, die Krokodile hat das nicht die Bohne interessiert. Auf der Rücktour durften wir an einer anderen Stelle noch Crabcakes probieren, leider hatte niemand Hunger und die Verkäufer machten kein Geschäft. Die Tour sollte dann noch weiter rauf aufs Meer zur Pelican Bar gehen. Weil wir dort aber 2016 schon waren, liessen wir uns am Startpunkt in Black River wieder raussetzen. Jetzt sitzen schon 2 Krokodile an der Stelle, wo wir vorhin eine Attrappe vermuteten.

Wir machen uns auf, um noch dies und das zu besorgen, unter anderem Eiswürfel und Zigaretten und parken an einer Tankstelle, wo wir nach den gewünschten Sachen fragen. Leider gibt es weder Eis noch Rauchwaren dort und man verweist uns an einen chinesischen Supermarkt die Strasse runter. Da gibt es Zigaretten, zwar nicht annähernd die Sorten, die man sonst so gewöhnt ist, aber Lars braucht dringend Nachschub. Eiswürfel gibt es auch hier nicht. Auf dem Weg aus der Stadt heraus sehen wir noch eine Halle mit Obstständen und einem grossen Parkplatz, wo wir noch mal anhalten, um einen gesunden Ausgleich zu den Zigaretten zu erwerben. Es ist bereits später Nachmittag, trotzdem ist die Auswahl noch reichlich und uns lachen eine Ananas, eine Papaya und ein paar Starapples an. Wir schlendern durch die üppige Pracht und lassen uns verschiedenes Obst und Gemüse zeigen und erklären. Probieren dürfen wir auch und so kommt es, dass wir eine Soursop mitnehmen. Deren Name ist nur eine Schutzbehauptung. In Wahrheit ist dieses leckere Früchtchen eher süß und schmeckt nach Aprikose und Birne mit einem säuerlichen Touch. Sogar Eis finden wir noch unterwegs in der Halle eines Fischmarktes,
wo wir einfach angehalten und nachgefragt haben.

Früchte Jamaika

Zurück im Welcoming Vibes geniessen wir die wunderbare Aussicht nur kurz, denn es zieht uns wieder raus. Frischgemacht geht es zu Fuss an den 12 Minuten entfernten Frenchmans Bay,  wo wir eigentlich gestern Rosie treffen wollten, die in Treasure Beach ein Guesthouse namens Pon Di Rock  betreibt. Leider hat das ja wegen unserer Verspätung nicht geklappt und heute sitzt sie schon im Flieger nach Deutschland- Heimatbesuch. In Eggys Beach Bar wollen wir bei einem Red Stripe den sagenhaften Sonnenuntergang geniessen. Die Bar war 2016 kurz vor Weihnachten abgebrannt, zwei Fischerboote, die nebenan lagen, wurden auch Opfer vermutlicher Brandstiftung. Es hat nicht das erste Mal gebrannt in Treasure Beach, auch Gabys erstes Cafè wurde Opfer der Flammen. Dank der guten Vernetzung konnte via Crowdfunding genug Geld für einen raschen Wiederaufbau gesammelt werden und Eggys Bar erstrahlt jetzt in neuem Glanz. Die Erinnerungswand mit diversen Hinterlassenschaften und Fotos von Gästen aus aller Welt ist allerdings nicht zu ersetzen. Wir haben über Rosie von der Sache erfahren und auch unseren Teil dazu beigetragen, dass wir heute hier sitzen und das leckere Seafood geniessen können. Einheimische sieht man hier eher wenige, Eggy hat Fans aus Kanada und Europa, von denen ihn einige unterstützen, als es richtig voll wird.

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Wir warten auf unser Essen, es dauert ungewöhnlich lange und die nach uns bestellten, haben schon. Was da los sei, fragen wir die Dame im Service. Es dauert nicht lange, bis man herausfindet, dass unser Essen längst verspeist ist, und zwar von einem Paar am Nachbartisch, die sich sicher über das leckere Gratis-Mahl gefreut haben. Man zahlt nämlich alles bereits bei der Bestellung am Tresen, die beiden haben sich die ganze Zeit über an einem Bier und einem Wasser festgehalten und sind nach dem gesponserten Essen auch schnell verschwunden. Wer das hier liest und sich wieder erkennt, möge sich in Grund und Boden schämen. Hart arbeitende Menschen um ihre Lohn zu bringen und ihren Ruf zu beschädigen, ist mehr als unfair.

Am Ende bekommen wir noch ein Foto mit Eggy als Entschädigung. Viel Zeit für Smalltalk hat er nicht, denn er ist der Koch in seinem Gasthaus und hat alle Hände voll zu tun. Wir sind müde vom Tag und kraxeln darum wieder die Anhöhe zum Welcoming Vibes hinauf, wo wir auch bald in unsere Betten fallen.

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Mitreisen könnt ihr übrigens auch hier:

Unsere Facebook-Seite – die offizielle FB- Seite von „Touchin‘ Jamaica“

Unsere Facebook-Gruppe – zum Austausch mit anderen Jamaika-Reisenden
und Jamaika- Fans

Kategorien:2017, Woche III- 05.02.2017- 11.02.2017- von Kingston bis Montego BaySchlagwörter:, , , , , , , , , , , ,

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