Das Bob Marley Mausoleum in Nine Mile – Ein „Muss“ für Fans?
Noch vor 20 – 30 Jahren galt Nine Mile als Pilgerstätte und Geheimtipp unter eingefleischten Marley-Fans. Auch heute noch zieht es Marley-Jünger aus aller Welt in den ländlich wirkenden Ort mitten in den Hügeln der Dry Harbour Mountains. Immerhin wurde 1945 der erste Musikstar der dritten Welt hier geboren und soll 1981 hier ebenso seine letzte Ruhe gefunden haben. Aber auch für viele andere Touristen steht ein Besuch im Bob Marley Mausoleum auf der Wunschliste. Denn wenn man in Jamaika ist, muss man schliesslich auch in Nine Mile gewesen sein, oder?
Wir besuchten Nine Miles zwischen 2013 und 2021 fünf Mal und nahmen in dieser Zeit die immer rasanter fortschreitende Metamorphose des Bob Marley Mausoleums von einem spirituellen Ort zu einer Art amerikanisierten Bob-Marley-Wunderland wahr. Ob man heimfliegen kann, ohne das „9Mile Reggae Land“ besucht zu haben, darüber solltest du dir mithilfe unseres Beitrages selbst ein Bild machen.
Auf nach Nine Mile zum Bob Marley Mausoleum
Der Weg zum Mount Zion führt durch die Berge von St. Ann über holprige Strassen. Wenn ihr nicht mit einem Tourunternehmen anreist, weist euch Google Maps zuverlässig die Strecke. Von Ocho Rios aus erreicht man Nine Mile in ca. 1.5 Stunden am besten über die A3 in Richtung Colgate, biegt dann in Golden Grove auf die A1 ab und verlässt diese in Claremont wieder in Richtung Alderton/Alexandria.
Tipp: Die „besseren“ Strassen nach Nine Mile hat man bei Anfahrt aus Runaway Bay. Man folgt von Runaway Bay zunächst immer der B3 in Richtung Browns Town und biegt in der Ortschaft Alexandria in Richtung Nine Mile Alderton ab.Diese Streckenalternative dauert etwa 1 1/4 Stunden.
In Browns Town solltet ihr einen Zwischenstopp einplanen und den grossen Bauernmarkt besuchen, wo sich die Einheimischen mit landwirtschaftlichen Produkten wie Obst, Gemüse, Fleisch sowie Kleidung und Haushaltwaren eindecken. Ein Marktbesuch in Jamaika ist ein interessantes Erlebnis. Sehenswert sind in Browns Town ausserdem noch die Anglikanische Kirche, die Tabernacle Church sowie das Courtyard House.
Für die preiswertere Anreise in Route Taxis sollte man etwas mehr Zeit einplanen, da man umsteigen und manchmal länger auf ein Anschluss-Routetaxi warten muss. Die Strecke von Ocho Rios aus im Routetaxi geht über Browns Town bis Alexandria, wo man nach Nine Mile umsteigt.
Ihr wollt nicht auf eigene Faust nach Nine Mile? Kein Problem! So gut wie alle Touranbieter haben die Tour zum Bob Marley Mausoleum im Angebot, fragt einfach nach. Oder bucht direkt über die Website des 9Mile Reggae Lands ein Tourpaket mit An- und Abreise, Mahlzeit und Wilkommensdrink.
Ganja-Touren, Community-Führung … So werdet ihr in Nine Mile nicht abgezockt
In Nine Mile angekommen, ist die erste Herausforderung, diversen „Angeboten“ geschäftstüchtiger Jamaikaner zu widerstehen. Es sei denn euch interessieren Ganja-Touren. Falls nicht, begebt euch besser sofort zum blauen Tor des Bob Marley Mausoleums. Vielleicht wird man auch versuchen, euch Eintrittskarten zu verkaufen. Lasst die Finger davon, die offizielle Tour beinhaltet keinen Besuch einer Ganja Plantage und startet hinter dem blauen Tor! Eintrittskarten gibt es drinnen vor Beginn der Tour. Lasst euch bloss nicht einreden, ihr müsstet draussen parken, weil der Parkplatz drinnen voll sei. Drinnen gibt es wirklich reichlich Parkplätze, Einlass kriegt ihr, wenn ihr hupt.
Auf den Spuren von Bob Marley – Jamaikas erstem Reggae-Weltstar
Die erste Tour startet gegen 9:00 Uhr, die letzte gegen 16:30 Uhr, den aktuellen Eintrittspreis findet ihr auf der Website des 9Mile Reggae Land. Früher bezahlte man im Vorhof an einem Kassenhäuschen. Für den Ticketkauf wurde eine Schalterhalle geschaffen, die bei unserem letzten Besuch 2021 noch nicht geöffnet war. Wir bezahlten drinnen im Souvenirshop.
Zur Tour geht man ein paar Treppenstufen hinauf, wo sich eine Bar-Lounge befindet, in der man eventuelle Wartezeiten überbrücken kann. Beispielsweise mit einem Ting, Red Stripe oder einem anderen Kaltgetränk. Legendär ist der brennende „Bob Marley-Shot“. Von der Bar aus hat man eine schöne Aussicht über die hügelige Landschaft und die Gemeinde Nine Mile. Wenn dann der Guide seine geforderte „Truppenstärke“ (wir haben nie nachgezählt, wie viele) beisammen hat, geht’s los.
Bei unseren letzten Besuchen in Nine Miles 2017 und 2021 begann die Tour im „Haus der Grosseltern“ oder besser gesagt eine Art räumlichem Nachbau davon. Dieser ist mit Ausstellungsstücken aus dem „Alltag“ von Oma und Opa Marley bestückt und nicht für jeden Besucher auch wirklich interessant. Die ersten Male wurden wir zuerst in einen Raum geführt, in dem alle möglichen Devotionalien, Auszeichnungen, Gold- und Platin- Schallplatten, usw. ausgestellt waren. Hier durfte man auch fotografieren.
Im Innenhof wird man dann musikalisch auf den Aufstieg zum Mount Zion eingestimmt. Die charmante Altherren-Mento-Band, die hier – dazumal noch trommelnd und singend – unterstützt vom jeweiligen Tourguide Marley-Songs zum Besten gab, wurde längst von jungen Männern an elektronischen Instrumenten ersetzt. Meist wird die Band stimmkräftig vom mehr oder weniger textsicheren Publikum begleitet. Natürlich erwarten die Jungs ein kleines Trinkgeld.
„I wanna love you- and treat you right“
Die nächste Tour-Etappe beginnt mit dem Eintritt durch ein Tor, welches den eigentlichen Mount Zion davor bewahren soll, von Touristenhorden erstürmt zu werden. Singend und Geschichten über die Marleys erzählend, führt der Guide über das Gelände und zum Häuschen, in dem Cedella mit Bob und dieser dann mit Rita eine Weile lebte. Später verbrachte Bob mit diversen Geliebten hier gern ungestört Zeit. Wie im „echten“ Leben kommt auch hier immer wieder mal andere Deko hinzu, das Bett wird anders bezogen oder gar umgestellt. Die Guides erzählen, dass man diesem Bett fruchtbarkeitsfördernde Kräfte nachsagt. Anfassen oder Draufsetzen ist – natürlich aus Sicherheitsgründen 😉 – nicht erlaubt.
Neben dem Haus wurde ein riesiger, in panafrikanischen Farben bemalter Stein einbetoniert, wahrscheinlich damit ihn niemand mitnimmt. Hier stimmt der Guide eine Zeile aus „Talking Blues“ an: „Cold ground was my bed last night …“ Auf dem Mount Zion fand Bob Marley oft die nötige Inspiration zum Texten.
Filmen verboten – Kiffen erlaubt
In einer Ecke konnte man früher noch die Outdoorküche bewundern. Eine ehemalige einfache Feuerstelle aus bemalten Steinen mit einem obendrauf gestellten Topf, in dem eine Marihuanapflanze wächst. „The pot in the pot“ witzelten die Guides. Heute steht an dieser Stelle Teneals Kräutertee-Büdchen, wo man Tee mit und ohne Kraut sowie Marihuana und vorgedrehte Joints kaufen kann. Der Kräutertee „ohne Kraut“ für 500 JMD war übrigens ganz lecker.
Filmen ist übrigens auf dem gesamten Gelände ab dem braunen Tor untersagt. Sogar absolutes Fotoverbot und „Schuhe aus!“ heisst es im Mausoleum, in dem Bob Marley mit seiner Gibson les Paul, einem Fussball und einer Marihuanapflanze in einem Marmorsakopharg bestattet sein soll. Der Rand ist mit diversen Abschiedsgrüssen von Bob-Marley-Fans geschmückt.
Ebenfalls in einem weiteren Mausoleum nebenan ist Bobs Mutter Cedella Marley-Booker gemeinsam mit ihrem Sohn Anthony bestattet, der – erst 19jährig – 1990 von einem Polizisten in Miami erschossen wurde. In einer kleinen Kapelle, die auch erst in den letzten Jahren entstand, kann man – wenn man möchte -die Gefühle und Eindrücke kurz sacken lassen. Manchmal werden auch kurze Messen abgehalten.
Souvenirs aus dem Bob Marley Mausoleum in Jamaika
Die Tour dauert etwa eine Stunde und läuft nicht immer gleich ab und auch die Guides erzählen nicht alle gleich viel und gleich gut. Je nachdem, wie viele andere Tourgruppen schon unterwegs sind, geht es manchmal auch zuerst ins Mausoleum. Das Ende am braunen Tor zum Innenhof ist aber immer gleich: Der Guide verabschiedet sich und betont, wie sehr er sich über ein Trinkgeld (gerne 10 USD pro Person) freut. Nun könnte man sich im Restaurant (falls geöffnet) stärken, was ebenfalls vom Innenhof erreichbar ist. Man hat die Möglichkeit, dort vor der eigentlichen Tour zum Mausoleum Essen vorzubestellen. Oder man schlendert im Souvenirshop umher. Hier können Marley-Fans und die es werden wollen prima ihre Fangarderobe mit den angebotenen (nicht ganz preiswerten) Merchandisingartikeln auffrischen. Auch Kreuzfahrt’ler werden hier mit dem Angebot an inseltypischen Mitbringseln glücklich. Jamaika-Rum und Blue Mountain Coffee bekommt man ebenso, wie Flip-Flops und Kühlschrankmagneten „Jamaica Style“.
Ist das Bob Marley Mausoleum in Jamaika ein Muss? – Unser Fazit
Während der Jahre hat sich für uns die fast spirituelle Anziehungskraft, die Bob Marleys Geburtsort ausübte, merklich abgeschwächt. Ein Besuch im Bob Marley Mausoleum ist, unserer Meinung nach, nicht mehr für jeden Fan ein „Muss“. Zwar wird das Bob Marley Mausoleum in Jamaika auf Plattformen immer wieder super bewertet, doch Amerikaner scheinen kommerzielle Orte a la Disneyland eher zu mögen, als Besucher aus den meisten europäischen Ländern.
Wir finden, es gibt in Jamaika spannendere Orte, um den Spirit des berühmten Reggaekünstlers Bob Marley zu spüren. Trotzdem denken wir, jeder sollte sich selbst ein Bild davon machen dürfen, ob sich die sehr rumpelige Anreise zum Bob Marley Mausoleum in Nine Mile lohnt. Mit unserem Blogbeitrag seid ihr auf das, was euch erwartet, zumindest vorbereitet.
Wenn ihr interessante Lebens-und Wirkungsstätten von einem der berühmtesten Söhne Jamaikas besuchen wollt,
kommt doch einfach mit nach Bob Marleys Jamaika.
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