05.und 06. Februar* Negril- Up in the sky


{Wieder keine Bilder…}

05.Februar 2018- Tschüß MoBay!

Die Sonne begrüßt uns beim wach werden und versüßt uns zusammen mit einer warmen Dusche den Abschied von MoBay. Beim Frühstück tauschen wir uns mit Jule aus, einer bedreadlockten Leipzigerin. Sie hat eine 10tägige Gruppenreise über die Insel gemacht und nun Lust auf mehr Jamaika bekommen. Jule freut sich über unser Kärtchen und wir packen unsere Habseligkeiten ins Auto. Das ist ein bisschen wie Tetris, denn auch Karina und Christian reisen heute ab und mit dem Knutsford Express nach Ochi weiter. Sie freuen sich über die erneute Mitreisegelegenheit. Ja, wir lieben solch interessierte Mitreisende. Als alles verstaut ist, lassen wir uns noch den Kontakt von der Houskeeperin Keisha in Negril von Lawrence geben und verabschieden uns herzlich von ihm und Darleene. Auch der Abschied von Karina und Christian naht. Am Büro des Knutsford Express beim Pier One setzen wir sie ab, sie bedanken sich nochmal für unsere Hilfsbereitschaft und wir wünschen ihnen eine gute Reise. Auf ihrem Plan stehen noch ein paar Tage Jamaika, dann fliegen sie nach Miami und später nach Costa Rica und Kuba. Es gibt nämlich keine Direktflüge von Jamaika nach Kuba und auch aus den USA ist es nicht möglich, direkt nach Kuba einzureisen! Für uns heißt es jetzt:

Auf nach Negril!

An der malerischen Küste entlang fahren wir den Weg, den wir nur im Dunkeln und aus der Gegenrichtung kennen. Kurz vor der Grenze zum Parish Hanover geht es etwa 20 min nur noch Stop and Go weiter, die Polizei kontrolliert hier mithilfe der Armee ihnen suspekte Fahrzeuge und deren Insassen, der Ausnahmezustand wurde mittlerweile aber in „Verstärkte Sicherheitsmassnahmen“ umbenannt. Wir haben anscheinend eine sichtbar weisse Weste und werden durchgewunken. Beim Tryall Water Wheel verpassen wir die Einfahrt zum Parkplatz und landen bei einem Stand wo diverse lokale Schnitzereien und andere Handwerkskunst angeboten wird. Kaufen wollen wir heute nichts, aber der Standbesitzer freut sich über ein Trinkgeld fürs Auto hüten. Das Wasserrad, welches einst eine Zuckerrohrpresse antrieb, ist gut erhalten und auch die Ruinen der ehemaligen Gebäude, wo der Zuckerrohrsaft gereinigt und erhitzt wurde, sind sehenswert. Der Umstand, dass sich das Tryall Water Wheel auf dem Gelände eines Golfclubs befindet, trägt zur Erhaltung der historischen Stätte bei.

So langsam melden sich bei uns menschliche Bedürfnisse und wir halten erneut, als ein Schild einen Reststop ankündigt. Bei Chukka Adventures in Sandy Bay kann man nicht nur körperliche Bedürfnisse erfüllen, sondern sich auch auf einem Pferderücken im Meer erfrischen oder ATV und Dune Buggy fahren. Doch wir wollen nur gern etwas essen und dabei die schöne Aussicht geniessen. Ein paar Katzen leisten uns Gesellschaft, betteln aber nicht, als wir uns Jerk mit Festival einverleiben. Das Fleisch ist zart und gut gewürzt, aber leider fast kalt. Ein Californier beobachtet, dass ich mir Notizen mache und fragt interessiert nach. Über unser Kärtchen freut auch er sich. Er erzählt, dass er Vorfahren in Baden- Württemberg und Kaliningrad habe und wünscht uns schöne Ferien. Wir wollen weiter nach Lucea, wo wir das Fort Charlotte besichtigen und das Hanover Museum besuchen wollen. Fort Charlotte ist eines der britischen Forts aus dem 18. Jahrhundert und wurde nach Sophie Charlotte Herzogin zu Mecklenburg- Strelitz benannt, die König George III ehelichte.

Fort Charlotte strahlt einen ähnlich morbiden Charme aus, wie Fort Rocky in Port Royal. Uns fallen beim Anblick solch vernachlässigter Geschichte immer 100 Dinge ein, die wir daraus machen würden. Wenn uns die Lottofee gnädig wäre, wäre das trotzdem nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Gesetzt den Fall, die jamaikanischen Behörden genehmigen und bearbeiten es zeitnah. Also werden die Kanonen wohl ewig vor sich her rosten und die ehrwürdigen Mauern weiter vom Meer bearbeitet werden, auf dass sie zerbröseln und Geschichte für immer verschwindet. Das Hanover Museum, welches in einem ehemaligen Gefängnis untergebracht ist, wurde für unbestimmte Zeit geschlossen. Als wir uns weiter umsehen, erklärt uns ein Herr, dass die Armee es übernahm, weil kriminelle Dinge dort abliefen. That’s Jamaica! Die besten und aktuellsten Infos kriegt man halt immer vor Ort!

Out of Home

Schade, aber so haben wir genug Zeit, nach Negril und ins Stoney Gate Cottage zu finden. In Negril reiht sich Hotel an Resort und Resort an Hotel, welche den Meerblick versperren. Bei Pablos Restaurant lesen wir -wie telefonisch vereinbart- Keisha, die Housekeeperin des SGC auf, die uns eine schnelle Einweisung gibt und sofort entschwindet. Wir machen uns breit, denn Platz ist genug in unserem luftig gebauten Holzcottage. Lawrence hat es vor einem Jahr von der Schwester der Vorbesitzerin übernommen, welche überraschend 2 Jahre zuvor starb. Da behördlich noch nicht alles geklärt ist, sind ihm investitionstechnisch die Hände gebunden, was man den 3 Gebäuden bei näherer Betrachtung ansieht. Doch die Küche ist mit Kühlschrank, Mikrowelle und Filterkaffeemaschine vergleichsweise luxuriös ausgestattet, es gibt HEISSES Wasser und eine Klimaanlage im Schlafraum. Und- es ist ruhig hier in der Summerset Road, einer Seitenstrasse in Negrils Westend. Hier gibt es den schönsten Sonnenuntergang der Karibik… allerdings hat unser Domizil keinen Meerblick. Man kann halt nicht alles haben. Doch Hunger haben wir und so beschliessen wir, später noch auszugehen. Gesagt-getan, bald stehen wir vor der Tür unseres Cottages und – haben uns ausgesperrt. Einen Schlüssel für den Knauf, den man oft in Hotels findet, gibt es nicht. Irgendwie ist die innenliegende Verriegelung eingeschnappt. Nach einiger Pulerei mit anderen Schlüsseln rufen wir Keisha an. Diese gibt Lars ein Telefon- Tutorial und mittels unseres Schweizer! Taschenmessers! Ist die Tür rasch wieder geöffnet. Unsere Nachbarn Larry und Louise aus den USA, die das Geschehen mitverfolgt haben, empfehlen uns einen schönen Platz für den Sonnenuntergang, wo man auch essen und etwas trinken kann.

Flucht in den Sonnenuntergang

Zum „Negril Escape“, einem Resort- Hotel, welches sicher schon bessere Zeiten gesehen hat, ist nicht weit und es bietet auf seiner Terrasse ein ebenso schönes, aber ruhigeres, entspannteres und günstigeres Sonnenuntergangs- Erlebnis als wir es schon 3 mal in Rick’s Cafe erlebt haben. Letzteres ist trotzdem sicher für einmal einen Besuch wert und war beim ersten Mal mein persönlicher Jamaika- Moment. Nachdem die Sonne spektakulär in der Karibischen See versunken ist, ordern wir uns den leckeren und frischen Negril- Escape- Salat mit wahlweise Shrimps oder Hühnchen und sind überrascht vom herzlichen und prompten Service, der uns hier widerfährt. Sophia macht uns gern darauf aufmerksam, dass auch auswärtige Gäste zum Frühstück willkommen sind und sogar den Pool nutzen dürfen. Wir verabschieden uns mit einem „Bis bald!“. Im Supermarkt schräg gegenüber erstehen wir noch Kerzen und Mücken- Tötolin-Spiralen und lassen diesen Tag mit – REINGEFALLEN- nicht Red Stripe, sondern Cola- Rum, ausklingen.

06.Februar 2018- Über den Dingen schweben

Guten Morgen, Negril! Die Nacht war ruhig, die wenigen Hunde hatten sich nicht viel zu erzählen. Doch frühmorgens hatten ein paar Lizards etwas auszudiskutieren. Wie können so relativ kleine Tierchen nur so dermassen Krach machen? Beim Kaffee besprechen wir den Tagesplan, auf dem erstmal nur Parasailing steht. Für morgen haben wir eine Bootstour zum Inselchen Booby Cay geplant, wir sollen heute mit Pogo, der immer am Strand hinterm Yellow Bird steht, die Details besprechen. Wir machen uns strandfertig und gehen los. Auf der Hauptstrasse hupen uns die Routetaxis an, doch noch brauchen wir keins, der Stand wo es Patties geben soll, ist gegenüber dem Negril Escape. Alley verkauft hier seit 15 Jahren seine handgemachten Patties, Getränke, frisches Obst, Gemüse und vieles mehr, was das Alleinversorgerherz begehrt. Er bittet uns hinter den Stand, dort gibt es eine kleine Sitzecke, wo wir warten, bis unsere Lobster- und Beef- Patties fertig sind. Dazu eine eiskalte Grapefruitbrause, genannt Ting, so geht lecker frühstücken auf Jamaikanisch.

Jetzt brechen wir in Richtung Strand auf. Dieses Mal regieren wir mit einem Winken auf das Hupen der Taxifahrer und werden mitgenommen. An Bord sind bereits eine Frau und ein Mann. Der genannte Preis für die Fahrt ist mit 500 JMD viel zu hoch, doch wir haben versäumt, beim Einsteigen zu fragen und wollen, als wir am Yellow Bird ankommen, nicht diskutieren. Pogo erklärt uns später, das Routetaxi 150 JMD p.P. kosten darf, private sind teurer. Da liegt er vor uns der 7 Mile Beach, ein 11 km langer, weisser Sandstrand, der für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Wir besprechen mit Pogo, dass er uns morgen früh gegen 9 abholt und er organisiert uns die Abholung zum Parasailing mit einem Motorboot. Zusammen mit einem Paar aus Montreal und einem aus Minnesota warten wir darauf, mit Schwimmweste und Gurtgeschirr versorgt zu werden. Alle machen das erste Mal Parasailing und sind irgendwie aufgeregt, was ich von mir selbst nicht behaupten kann. Dann schweben wir endlich in der Luft und geniessen 15 min lang den Blick über den gesamten Strand und den Ozean.

Zurück am Strand verführt uns die Sonne dazu, unsere Strandkabinen auszulegen und uns im Nichtstun zu versuchen. Das Wasser ist klar und nicht kalt, eine schöne Erfrischung. Wir trocknen uns in der Sonne. Ab und zu werden wir gefragt, ob wir Unterhaltung wollen oder etwas anderes kaufen möchten. Von der Banane über Lobster bis hin zu Kunsthandwerk reicht das mobile Angebot. Nebenan im Cosmo’s werden Massagen angeboten, und wir könnten auch eine Sonnenliege haben doch das lohnt sich nicht wirklich, uns jucken schon wieder die Füsse. Am Strand entlang laufen wir bis zum Ende und wollen grade den Weg zur Strasse nehmen, da spricht uns ein Rasta an und lädt uns ein, sein Plätzchen anzuschauen, wo er Selbstgeschnitztes, Conchschalen, Getränke, Essen und alles Mögliche anbietet. Rasta Ringo kommt aus den Bergen Westmorelands, legt aber die Rastaregeln nicht allzu streng aus. Wir setzen uns auf ein Bier und er plaudert mit uns über Menschen, Gott und die Welt. Seinen Vorschlag mit ihm für 150 USD eine Tour zu einem Wasserfall zu machen, lehnen wir trotzdem ab, zumal wir später erfahren, dass der Ort nicht mehr zugänglich sein soll. Durch einen kleinen Crafts- Market hindurch finden wir den Weg auf die Westend-Road und sind mittendrin in der Feierabendgeschäftigkeit Negrils.

Wir halten Ausschau nach einem WC und etwas zu Essen, da kommt uns plötzlich die „German Bar“ ins Blickfeld. Haltet uns ruhig für bekloppt, aber 20 min später sitzen wir bei Grüner Wiese und Schnitzel mit Spiegelei und Bratkatoffeln, welche gar nicht so übel gelungen sind. Um den Rest des Weges zu überstehen, gönnen wir uns dann noch ein Eis. In Negril gibts nämlich einen Ableger der berühmten Devonhouse- Icecream. Das Eis fliesst so schnell dahin, wie die Zeit es in den Ferien ansich zu haben pflegt. Tapfer setzen wir unseren hitzigen Heimweg fort und widerstehen den Angeboten der Routetaxis. Im Stoney Gate geben wir uns einer schönen warmen Dusche hin und verbringen den Restabend mit Schreiben und dem Auswerten der Tageserlebnisse. Die gepriesene Birthday- Bash- Party zu Ehren des heutigen Geburtstagskindes Bob Marley lassen wir aus, 30 USD für uns unbekannte Künstler sind uns zu happig.

Kategorien:2018, Woche I - 02.02.- 10.02.2018Schlagwörter:, , , , , , , , , , , , ,

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