I wie I-rie ODER «Ich versteh nur Bahnhof»


Unsere aufmerksamen und schlauen Leser (und -rinnen) wissen bereits, dass auf Jamaika Englisch die Amtssprache ist. Das kommt unseren aktuell abrufbaren Sprachkenntnissen natürlich sehr entgegen, auch wenn sich dort mittlerweile amerikanisches Englisch eingebürgert hat. Trotzdem bleiben wir ab und an fragend zurück, denn die Jamaikaner sind ausser beim Autofahren und Sprinten noch in genau einer Sache schnell: REDEN. Wenn sie dann noch in den typischen Dialekt der Insel, das Jamaikanische Patois (sprich Pattwah) verfallen, verstehen die Meisten nur «Bahnhof».
Oder wie Dörthe zu sagen pflegt: « I understand only station.»

Das wollen wir ändern, was sich allerdings als nicht so leicht herausstellt, denn Jamaican Patois ist, wie viele Weltdialekte, eine gelebte und mündlich weitergegebene Sprache für die es offiziell keine Schreibregeln gibt. Man lernt sie also am besten «by speaking». Die ersten Lektionen bekommt jeder Inselbesucher vollkommen gratis während der ersten 2 Tage. Diese Wendungen, welche der Begrüssung und dem Smalltalk dienen, lernt man immer zuerst:

Spickzettel Patois

Die Angestellten in den Hotels, die Tourguides und andere Inselbewohner geben sich wirklich sehr viel Mühe mit den Patois-Neulingen. Bereits vorhandene Grundkenntnisse oder Fortschritte werden mit Freude, Bewunderung und «Respect» honoriert. Fragen die sich auf «Wann» oder «Wie lange» beziehen werden oft mit «soon come» beantwortet, was alles Mögliche bedeuten kann u.a. später, morgen, bald oder nie.
 
Schmelztiegel der Sprachkulturen- Jamaican Patois

Doch wie kommt eigentlich dieses Patois zustande und wofür braucht man das, wenn man sich doch ganz komfortabel in der Weltsprache Englisch verständigen könnte?
Nun, da gibt es unterschiedliche Theorien und alle haben irgendwie Recht. Auch für Jamaican Patois gilt das Inselmotto “Out of many- ONE People”.
Patois ist entstanden aus einem Mix der Sprachen in West-und Mittelafrika mit Englisch sowie Einflüssen aus dem Spanischen und anderen europäischen Sprachen. Auch Teile der Sprache der Arawak sind immer noch präsent. Wusstet ihr, dass von Diesen Begriffe wie «hammock» (Hängematte), «barbeque» (Garmethode über offenem Feuer), «canoe» (Kanu), «tobacco» (Tabak) uva. stammen?
Und warum mischt man nun Sprachen und Dialekte, da versteht Einen doch keiner mehr…? Eben DAS soll wohl der Plan gewesen sein, denn die Sklaven wollten ja nicht, dass die Herrschaft verstand, was sie erzählten und kreierten so nebenbei- ja was denn nun? Patois gilt sowohl als Sprache, als auch als Dialekt, da sind sich die Sprachwissenschaftler bis heute nicht einig. Fakt ist, Jamaican Patois ist so einzigartig wie die, die es tagtäglich verwenden.
 
Und wäre es nicht schon schwer genug zu verstehen, werden da munter Buchstaben oder ganze Vorsilben weggelassen, wie z.B. bei «spektah» (inspector) Oder man fügt klammheimlich welche hinzu, spricht diese aber nicht deutlich aus wie in «(h)’excuse mi- excuse me- Entschuldigung). Ganz hinterlistig werden gern auch Buchstaben einfach vertauscht wie in «aks» (ask- fragen) oder flim (film- Film). Weitere Stolperfallen sind Worte, die zwar aus dem Englischen stammen, aber im Patois eine ganz andere Bedeutung haben. Und der Satzaufbau ist natürlich auch ganz anders. Wer soll denn da noch drauskommen…
 
Das kommt uns Jamaikanisch vor!

Zudem hat Jamaikanisches Patois einen ganz eigenen melodischen Sprachrhythmus und besticht durch bildhaften, oft sexuell geprägten Ausdruck und individuelle Wortkreationen. Wen wundert’s da, dass man Patois in allen möglichen Musikrichtungen findet. Reggae, Hip-Hop, Drum ’n’ Bass- wenn ihr Songtexte hört und denkt «klingt irgendwie Englisch», euch aber wundert, warum ihr es trotzdem nicht so recht versteht- DAS ist Patois.
 
Um den geneigten Leser jetzt vollends zu verwirren, soll auch die Sprache der Rastas nicht unerwähnt bleiben, die auf dem Jamaican Patois aufbaut und aus der viele Wortschöpfungen stammen. Rastas versuchen mittels spezieller Ausdrücke und Wendungen ihre Religion und Weltanschauung quasi bildhaft zu verdeutlichen. Dazu wird oft der Anfang eines Wortes durch «I» ersetzt. I bezieht sich dabei auf die spirituelle Gemeinschaft von Mensch (man selbst) und Schöpfer, welche mit «I and I» verdeutlicht wird. Wie beispielsweise in I-rie, welches so viel bedeutet wie «alright» also «Klasse, super, toll». «You’re I-rie?» ist die Frage nach dem Wohlbefinden auf die man genauso mit «I-rie.» antworten könnte. Eine andere Rastawortschöpfung dürfte euch auch nicht entgangen sein, als es ums Thema E wie Essen ging: I-tal. Das könnte vom englischen «healthy» abgeleitet sein und bezeichnet die Art wie sich Rastas ernähren, nämlich gesund und nur aus der Natur.
 
Am Ende seien der interessierten Leserschaft noch 2 Büchlein empfohlen, die auf uns einen ganz brauchbaren Eindruck machen:
«Kauderwelsch, Patois für Jamaikareisende» von Anette Kühnel – dieses hilfreiche Taschenbuch passt in jedes Täschchen. Der Aussprache- Trainer dazu ist auf Audio-CD und als Download erhältlich und nimmt auf dem Handy auch nicht viel Platz weg.
«How to speak Jamaican?» von den Jamaikanern Ken Maxwell und Livingston Mc Larren – ebenfalls passend für das kleinste Täschchen, verfasst auf Englisch und witzig illustriert. Für Harcoreinteressierte hält auch das Internet viel Nützliches und Interessantes bereit.

Zum Schluss bleibt uns noch die Frage: «Seen, me yute?»
Na, alles verstanden, Freunde?

Mitreisen könnt ihr übrigens auch hier:

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