E wie Essen auf Jamaika ODER Manche mögen’s scharf


Egal, ob man Vegetarier, Pescarier oder Fleischfresser ist, auf Jamaika kommen Alle auf ihre Kosten. Die jamaikanische Küche ist vielfältig und von vielen Einflüssen geprägt, ganz getreu dem Motto Jamaikas «Out of many- One people». Auch wer mit Allergien und Intoleranzen geplagt ist, kommt essenstechnisch recht gut durch den Jamaika- Urlaub.

Frühstück auf Jamaikanisch

Schon beim Frühstück auf Jamaika geht’s deftig zur Sache mit Ackee and Saltfish, dem jamaikanischen Nationalgericht, welches aus dem Fruchtfleisch der Ackee und den Grundzutaten Zwiebel, Paprika und Tomate sowie Saltfish (gesalzener und getrockneter Kabeljau) besteht. Geschärft wird das Ganze mit Scotch Bonnet Pepper, einer höllisch scharfen karibischen Chilischote sowie Pfeffer. Klingt lecker- ist lecker, auch wenn es einem manchmal buchstäblich «die Fresse wegbrennt».

Gelöscht wird der «Brand» dann gern mit gerösteter Brotfrucht; Bammy, einem Gebäck aus Cassava; oder Festival, welches aus Maismehl besteht. Gerne auch Dumplings eine Art Hefekloss, der entweder gekocht oder «fried» auf den Tisch kommt. Eine beliebte Beilage ist ebenso Plantain (Kochbanane) die uns am besten «fried», also in Öl gebacken schmeckt.

Ebenso typisch jamaikanisch ist eine Mischung aus Ackee und Callaloo, welcher unserem Mangold am Nächsten kommt. Fish Fritters, auch genannt «Stamp n Go» (so eine Art Fischpuffer) bekamen wir zu Porridge aus Erdnüssen serviert. Dieser Brei ist wohl auch so ein Überbleibsel der Engländer. Die Kombination von deftig und süss war gar nicht so uninteressant.

Festival, Ackee, Saltfish, Jamaican Apples, Brotfrucht

Jamaikanisches Frühstück: 1.Festival- 2.Ackee and Saltfish- 3.Orangen- 4.Otahaiti Apples- 5.Geröstete Brotfrucht

Luxus overtoasted

Toast, geschweige denn Brot wie wir es kennen, kommt hier eher selten auf den Tisch. Denn auch dieses muss importiert werden, es wächst ja kein Getreide auf Jamaika. Auch Wurst und Käse sind Luxus auf jamaikanischen Frühstückstischen aus eben dem gleichen Grund. So waren wir ziemlich überrascht, dass in unserer Unterkunft an der Ostküste Jamaikas das Frühstück hauptsächlich aus Toast bestand. Um ehrlich zu gestehen: Wir waren nach 3 Tagen dann schon «overtoasted». Eier sieht man auch eher selten, egal in welcher Form. Allerdings ähnelt zubereitete Ackee in Aussehen und Konsistenz schon sehr einem Rührei, was einen bayrischen Hotelgast mal zur Feststellung inspirierte, «Dann is des joa a Rühreibaum.»

Stattdessen kann man das Frühstück auf Jamaika super mit frischen Früchten aufpeppen wie z.B. Orangen, Grapefruits, Otahaiti Apples, Papaya, Mango, … je nach Saison fällt die Auswahl an den Strassenständen nicht leicht.

Fischer Fritzens Frische Fische

F wie Fisch und zwar fangfrischen direkt vom Boot, Langusten (Lobster), Shrimps, Conch (eine riesige Meeresschnecke) kann man besonders im Norden und an der Südküste bei Treasure Beach in allen erdenklichen Variationen geniessen. Auch Flusskrebse und Landkrabben erfreuen sich Beliebtheit bei den Jamaikanern und ihren Gästen. Shrimps werden gern als Chillie- Shrimps angeboten, die dann erfahrungsgemäss «zweimal brennen». Berühmt für seine Chillie- Shrimps ist Middle Quarters, wo man die scharfen Krustentiere „to go“ am Strassenrand erwerben kann.

Des Jamaikaners Leibgericht

Das inoffizielle und ungekrönte Lieblingsgericht der Jamaikaner und der Touristen ist jedoch «Jerk», in Gewürzen mariniertes und stundenlang langsam über Pimentholz gegrilltes Hühnchen oder Schwein. Sogar Fisch kommt gejerked auf den Tisch. In Port Antonio gibt es regelmässig das «Portland Jerk Festival» wo sich alles um diese Zubereitungsart, die ein Erbe der «Maroons» ist, dreht. Auch zu Jerk schmecken geröstete Brotfrucht, Bammy und Co sehr gut, wobei wir Festival vorziehen. Unser absoluter Jerk- Favorit auf der Insel ist die kleine Kette «Scotchie’s Jerk Centre», welche in den grösseren Orten zu finden ist, z.B. Ocho Rios, MoBay und Kingston. Auch Jerky’s Bar and Grill in Montego Bay ist empfehlenswert. Die angebliche «Hochburg des Jerk» Boston Bay- liess uns enttäuscht zurück, wir hatten doch etwas mehr als Nichts erwartet. Dafür findet man in der Nähe vom Bluefields Beach bei Omar das beste Jerk der Südküste Jamaikas.

Oft wird zu Jerk auch «Rice and Peas» gereicht, was eigentlich «Rice and Beans» heissen müsste, denn es werden dafür Reis und rote Bohnen verwendet. Eine andere typische Reisbeilage ist «Pumpkin Rice», welcher mit geriebenem Kürbis und geriebenen Zwiebeln (optional Karotte) gegart wird. Die beiden letzten Gerichte kommen in einfachen jamaikanischen Familien oft als Alltagsgericht auf den Tisch. Noch ein Renner aus den heimischen Küchen ist Bulla ’n Pear. Bulla ist ein kuchenartiges süsses Ingwergebäck und mit Avocado (in Jamaika „pear“ genannt) eine beliebte Kombination. Als „Dutty Gjal“ (schmutziges Mädchen) bekannt ist ein arme-Leute- Essen, das aus Dosenmakrele in Tomatensauce mit Dumplings oder Kochbanane besteht. Wer etwas mehr Geld hat, kocht die Tomatenmakrele auch frisch.

Ein bisschen gewöhnungsbedürftig dürfte für Einige unter uns Goat, also Ziege, sein. Besonders lecker ist ein Gulasch aus Ziege gewürzt mit reichlich Curry, wobei das Fleisch komplett mit Knochen kleingehackt im Gericht verwendet wird. Dieses typische Gericht aus der Jamaikanischen Küche wird in Ermangelung von Ziegenfleisch auch gern mit Hühnchen zubereitet. An das Spucken wegen der Knochensplitter gewöhnt man sich, man muss nur vorsichtig essen. «Schling nicht so, Kind!»

Es ist noch Suppe da!

Noch abartiger jedoch ist eine Suppe aus Hühnerfüssen: Chickenfootsoup. Unbedingt probieren muss man(n) auch Manish-Water, eine Suppe aus Ziegenkopf und Innereien. Die beiden kennen wir nur von Bildern, aber die Jamaikaner steh’n drauf. Eine andere Suppe, auf die nicht nur Jamaikaner stehen ist «Cornsoup», eine Maissuppe, die oft am Strassenrand verkauft wird. Überhaupt findet man in den touristischen «Ballungsgebieten» viele Strassenküchen

Kentucky schreit ähh Fried Chicken

Auf dem Lande werden diese Verpflegungsstände leider immer weniger. So ist es uns im Osten von Jamaika passiert, dass wir uns oft mit «Fried Chicken» begnügen mussten, was wir als wenig typisch empfanden. Allgemein fanden wir es ein wenig erschreckend, dass American Fastfood auch auf Jamaika auf dem Vormarsch und in den grösseren Städten schon angekommen ist. Man findet dort mühelos z.B. KFC, Pizza Hut, Subways, Burger King…

Juici, tastee… einfach lecker! Jamaican Patties

Dabei gibt es ausser den oben genannten Möglichkeiten wie Jerk auch anderes typisch jamaikanisches Fastfood, wie die von uns in einem Reisebeitrag erwähnten Patties. Teigtaschen aus Blätterteig mit verschiedenen deftigen Füllungen, die nicht nur sättigen, sondern auch recht preiswert sind. «Juici Patties», «Tastee Patties», so oder ähnlich heissen diese Läden, die man in den Städten auf Jamaika findet. Jamaikaner klemmen Patties übrigens mit Vorliebe zwischen „Cocobread“.

Rum-prosten auf Jamaika

Apropos Getränke. Jetzt wirft sich vielleicht die Frage auf: Was trinkt der Jamaikaner? Dass er keinen Kaffee trinkt, weil teuer, wisst ihr ja schon aus «B- wie Blue Mountains». Morgens (mittags und abends auch) gibt es oft einen «Bushtea» aus allerlei Kräutern und Blättern. Etwas Spezielles für Männer ist das sogenannte Irish Moss, aus gekochten Meeresalgen, welches mit gesüsster Kondensmilch gemischt, mit Muskat gewürzt und als «natural Viagra» angepriesen wird. Die landläufige Meinung, Jamaikaner tränken den ganzen Tag nur Rum, stimmt also nur bedingt. WENN sie Rum trinken, dann am Liebsten den starken, weissen Overproof, der hat 63 !!! Volumenprozent, den kann man ANZÜNDEN!!! Da den auch ein abgehärteter Jamaikanergaumen nicht pur verträgt, wird er gern mit Wasser (da kommt der Geschmack besser zur Geltung) und verschiedenen Säften gemischt oder mit Kokosnusswasser. Gerne auch mit Softdrinks wie zum Beispiel die allseits beliebte Grapefruitbrause „Ting“. Die gibt’s auch mit anderen Geschmäckern. Eine populäre Mischung ist auch Bier mit Rum. Kaum ein Jamaikaner käme auf die Idee, Rum mit Cola zu mischen, wie wir es gerne tun. Im Alltag löschen die Jamaikaner ihren Durst wohl auch lieber mit “WATA” und Säften. Auch der eisgekühlte Saft einer Kokosnuss und deren geleeartiges Fruchtfleisch sind sehr erfrischend.
„Es gibt kein Bier auf Hawaii…“- auf Jamaika schon. Jamaikaner sind sehr stolz auf ihr Red Stripe und auch wir lieben diese süffige jamaikanische Hopfenkaltschale extrem.

Ital Food- aber nicht vom Ital-iener

Was man auch nicht unter den Tisch fallen lassen darf ist die Küche der Rastas, die besonders Vegetariern zusagen dürfte. Schon bei unserer allerersten Reise nach Jamaika wurden wir belehrt, dass das sogenannte «Ital Food» nichts mit Pizza und Pasta zu tun hat, sondern sich auf die Zubereitung nach bestimmten Rasta-Regeln bezieht. So essen Rastas «kein Schweinefleisch, keine schuppenlosen Fische, trinken keine Kuhmilch und benutzen kein Salz oder künstliche Gewürze», sogar Eier sind für viele tabu. Rastas trinken auch keinen Alkohol.

Allergiearm essen auf Jamaika? Yah man!

Gesundes und frisches Essen wird auf Jamaika gross geschrieben. Meist wird die Bestellung frisch zubereitet, was längere Wartezeiten bedeutet, sich aber lohnt. Wer auf bestimmte Inhaltsstoffe wie z.B. Gluten, Laktose, Histamin etc. empflindlich reagiert, sollte die Möglichkeit nutzen, sich an den vielen Obst-und Gemüseständen frisch zu versorgen und Unterkünfte wählen, wo man sich selbst bekochen kann. Die grösseren Supermärkte bieten ebenfalls eine gute Auswahl an entsprechenden Lebensmitteln. Viele Restaurants sind zudem auf Allergien und Unverträglichkeiten eingestellt, man muss es bei der Bestellung nur angeben.

Soweit also unser kleiner kulinarischer Streifzug durch Jamaikas Küchen und Kühlschränke. Vielleicht habt ihr ja jetzt Appetit bekommen, eure nächsten oder übernächsten Ferien mal auf dieser schönen und vielfältigen Karibikinsel zu verbringen? Wer es bis dahin nicht aushält, dem empfehlen wir, JERK doch einfach mal daheim zu brutzeln. Rezepte dazu gibt es im Beitrag Das JERK- Unser ©

Mitreisen könnt ihr übrigens auch hier:

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Kategorien:JAMAIKA- ABC, JAMAIKA-KULINARIKSchlagwörter:, , , , , , , , ,

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